Da Hype is real

Nun ist es passiert: Die letzte Woche noch in den USA und Australien erfolgreich gestartet, geht ab heute auch hier die große Echt-Lebens-Suche nach den Pokémon los. Eigentlich habe ich dem keine große Bedeutung beigemessen, nicht einmal als die Tagesschau recht prominent über das „neue große Ding“ in den USA berichtete. Doch nachdem mir heute mehrere Kommilitonen entgegen kamen, die mit Videospielen normalerweise wenig bis gar nichts am Hut haben, und mir ihre neuesten, digitalen Errungenschaften in Pokémon Go zeigten, stimmte mich das ein wenig nachdenklich…

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Richtiggehend bemerkenswert bis surréal war im Anschluss der Gang mit einem dieser Kommilitonen durch einen der hiesigen Stadtparks. Überall waren Menschen, die auf ihr Handy starrend durch die Gegend liefen. Nun ist dies selbstverständlich nichts Ungewöhnliches, gehen die Menschen doch überall in der Stadt auf dem Schlaufon tippend durch die Gegend, um sich Nachrichten per What’sApp, Facebook oder Twitter zu senden. Doch diesmal tippte keiner. Stattdessen liefen sie zielstrebig, wie einem Navigationsgerät folgend in eine Richtung, drehten sich und liefen in eine andere. In der Regel handelte es sich dabei um Menschen in den 20ern, doch zwischenzeitlich konnte man auch Mitt-30er erkennen oder Väter, die mit ihren Kindern auf Spurensuche waren.

Was man hier erkennt, ist zweifellos eine Win-Win-Win-Win-Situation, denn alle gewinnen irgendwie: Was die Sportprogramme der großen Versicherer und Aufklärungskampagnen des Staates nicht schaften, gelingt einer kleinen App: Die Leute bekommen Bewegung. Die wiederum haben einfach nur Spaß an der Pokémon-Suche und freuen sich, neue, unbekannte Orte zu entdecken. Dann profitieren die Geschäfte, die ale „Poké-Stops“ fungieren und bei denen sicher der ein oder andere einen Euro dalässt. Und nicht zuletzt profitiert Nintendo und der Entwickler Niantic, die sich mit dem Programm eine goldene Nase verdienen, immerhin ging der Aktienkurs durch die Decke. Wohl dem, der dies vorausgeahnt hatte.

Die einzigen Verlierer sind die Datenschützer, denn natürlich gibt es die App, auch wenn sie kein Geld kostet – In-App-Käufe mal ausgenommen, nicht umsonst. Natürlich muss man wieder mal seine Seele verkaufen oder zumindest sein Leben offen legen, inklusive der automatisch angelegten Bewegungsprofile. Aber vielleicht muss man sich daran einfach gewöhnen, in dieser modernen Welt. Und die Suchtgefahr ist natürlich inbegriffen. Auch ich konnte mich dem kleinen Erfolgsgefühl nicht erwähren, als ich meinem Kommi half, ein Pikachu zu fangen. Trotzdem werde ich mir die App, allein schon aufgrund Daten- und Akkulimit, nicht zulegen. In diesem Sinne: Frohes Jagen!