Göttliche Symphonien

Wer mit mir zu tun hat oder Beiträge von mir aus Foren oder auf YouTube gelesen hat, der wird wissen, dass ich letztes Wochenende in Düsseldorf war. Was habe ich dort gemacht? Nun, neben dem Besuch eines Freundes habe ich mir ein Konzert angesehen, auf das ich mich schon seit der Ankündigung vergangenen Dezember gefreut habe: Symphony of the Goddesses Master Quest ist ein Orchesterkonzert, das weltweit auf Tournee ist und mit bekannten Melodien aus der The Legend of Zelda-Reihe aufwartet. Wie es war, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen…

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Eins vorweg: Die Tickets waren mit 55€ pro Person nicht gerade günstig, wobei dies bereits die zweitgünstigste Kategorie darstellte. Dementsprechend waren die Erwartungen auch etwas höher, schließlich hat ein ähnliches Konzert, Symphonic Legends, das ich vor einigen Jahren besuchte und auch darüber berichtete, lediglich 12€ pro Karte veranschlagt. Und an dieser Stelle kann ich schon mal sagen, dass die Preise dieses Mal tatsächlich etwas zu hoch angesetzt waren.

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Begonnen hat das Ganze erst einmal mit einer langen Schlange, die sich vom nebenanliegenden Bahnhof bis zur Eingangstür der Halle windete. Trotzdem ging es doch recht zügig und diszipliniert voran. Interessant waren vor allem einige Outfits der Fans, die man währenddessen begutachten konnte. Während die meisten T-Shirts, Kappen und Rucksäcke trugen (ich selbst trug ein Majora’s Mask-Shirt und eine Kette mit Hyrule Wappen), um ihre Fanzugehörigkeit zur Zelda-Serie zu demonstrieren, fanden sich tatsächlich einige darunter, die sich ordentlich Mühe mit ihren Kostümen gegeben haben. Natürlich waren mehrfach Links vertreten, aber auch unbekanntere Charaktere im Zelda-Universum bekamen ihren Auftritt: So fand ich sowohl die Kostüme eines Mädchens, das sich als Hilda aus „A Link between Worlds“ verkleidet hat, als auch zwei Mädchen, die sich als Koume und Kotake, die beiden Hexen im Dienste Ganondorfs, präsentierten, toll gemacht. Mein Highlight allerdings war die selbstgestrickte Ezelo-Kappe eines Fans. Minish Cap wurde letztlich also doch nicht vergessen, auch wenn es in dem Hauptkonzert keine Rolle spielte.

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Die Platzwahl war wirklich gut getroffen. Zentral habe ich auf von recht weit hinten nach vorn blicken können. Das war wesentlich besser als zu nah dran nach oben schauen zu müssen oder am Rand den Kopf die ganze Zeit nach rechts oder links zu wenden. Da wir recht spät in der Halle ankamen, dauerte es auch nicht mehr allzu lange bis das Licht erlosch und es losging…

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Zunächst begann es mit einem Medley, das das komplette Programm des Abends näher bringen sollte. Kreuz und quer durch die Reihe wurden verschiedene, in der Regel die bekanntesten Melodien, angespielt und auf andere umgeschwungen. Leider zeigte sich bereits hier eine Schwäche des Arrangements, denn ein echtes Medley war es nicht. Die Stücke flossen nicht ineinander über, es wurde kein Anschluss erzeugt und sogar eine Applauspause zwischen den einzelnen Stücken eingefügt. Als die Chose vorbei war, kam ein Moderator auf die Bühne, der kurz eine Einführung präsentierte und zu einem Video hinleitete, das eine Botschaft von Shigeru Miyamoto enthielt. Nicht der beste Einstand, aber ich war bester Hoffnungen.

Und die wurden darauf erfüllt als es an die Einzel-Arrangements ging. Eine Suite umfasste jeweils ein Spiel: Twilight Princess sorgte, wie auch schon beim Opening des Spiels selbst, das auf der Videoleinwand präsentiert wurde, für Gänsehautstimmung und zeigte, wie gut dem Spiel ein orchestraler Soundtrack zugestanden hätte. Zudem bestätigte es mich vollstens in meiner Meinung, dass es gameplaytechnisch sowie von der Spielwelt her eher ein schwaches Zelda war, doch es begeistert durchaus mit seinen cineastischen Schauwerten, die sich eben auch in der Musik widerspiegeln.
Ocarina of Time war da ein ganz anderer Fall. Weiterhin als das beste Spiel aller Zeiten gehandelt und vermutlich der Teil der Reihe, den die allermeisten Anwesenden, wenn nicht alle, gespielt haben, hat er von vornherein den Nostalgiebonus schlechthin. Leider waren hier bereits zwei Stücke sehr präsent, die wir bereits im Anfangsmedley gehört haben und auch noch später in unzähligen Varianten erneut präsentiert bekommen sollten: Zeldas Wiegenlied und das Main Theme. Hier wäre weniger etwas mehr gewesen. Dennoch stimmten mich diese beiden Suiten wieder versöhnlich, sodass ich mit einer positiven Grundstimmung in die Pause ging.

In dieser überlegte ich einen Moment, ob ich mich auf die Suche nach einem Merchandising-Stand begeben sollte, schließlich hatte ich beim Eintreten keinen gesehen, aber ich wollte zumindest eine CD oder ein T-Shirt mit nach Hause nehmen. Dass ich es nicht tat, war vermutlich besser so, denn wie ich hörte, soll es einen schlecht bestückten Stand gegeben haben, der bereits vor Beginn der Pause ausverkauft war. Definitiv ein großer Minuspunkt für die Konzertveranstalter.

Weiter ging es mit den Suiten aus A Link to the Past und Majora’s Mask. Während ersteres mir recht gut gefiel und von den bekannten Themen aus Schloss Hyrule, dem Todesberg oder den Dungeons – mit kleinen Abstrichen beim etwas seltsam arrangierten Dark World-Thema – schöpfte, wurden leider zu wenig distinktive Melodien aus letzerem herausgeholt. So kennt man das Field Theme bereits in leicht abgewandelter Form aus der Ocarina of Time-Suite, während man das Unruh-Stadt-Thema bereits im Medley zu beginn angestimmt hatte. Ein Remix der verschiedenen Temple-Themes, insbesondere des Felsenturms, hätte hier wirklich viel reißen können.
Daraufhin folgte die Wind Waker-Suite, die eine gute Auswahl brachte, jedoch ebenfalls bekannte Stücke vermissen ließ.

Diese wurden nach ein paar Videobotschaften vom Zelda-Producer Eiji Aonuma und Komponisten-Legende Kôji Kondo sowie einer kleinen Pause, in der das Orchester und die Dirigentin mit Appläusen nur so zugeworfen wurde, nachgeholt.  Ein Boss-Medley, verschiedene Varianten des Gerudo Valley-Themas und das berühmte Drakonia-Thema aus Wind Waker folgten. Und wieder war ich versönlich gestimmt, schließlich boten mir diese Arrangements genau das, was ich vom Konzert erwartet hatte. Nun fehlte lediglich das Highlight, auf das ich schon länger wartete: Skyward Sword mit dem Hauptthema „Ballade der Göttin„, das in einer weiteren Zugabe kam, dem jedoch leider etwas der „WUMS“ fehlte. Es wurde Spannung aufgebaut, die sich durch das Fehlen der Pauken nur flüchtig entladen hat. Hier war die Kölner Philharmonie wesentlich besser aufgebaut.

Als dann der Schluss kam, in der die Dirigentin zur Showeinlage mehrfach die Bühne verließ um wieder vor das Publikum zu treten und das Orchester zu beglückwünschen, erwartete jeder eine weitere Zugabe, die dann letztlich nicht kam. Stattdessen rollten die End Credits auf der Leinwand und das Publikum verließ recht zügig die Arena. Schmerzlich vermisst hatte ich an der Stelle Stücke aus Link’s Awakening, denn gerade die Ballade des Windfisches wäre ein genialer Abschluss gewesen.

Fazit: Die 55€ waren sicher überzogen, dennoch hatte ich einen schönen und emotionalen Abend. Im Vergleich zu Symphonic Legends hätte man hier aber durchaus mehr rausholen können. Man blieb den Grundstücken treu – etwas, das ich beim Konzert in Köln damals bemängelte. Dies war jedoch nicht nur Stärke, sondern zeugte gleichzeitig von einer Schwäche des Arrangements, die Stücke nicht etwas pompöser aufzumachen und mit ein paar Finessen auf das Orchester zu übertragen. Es ist sicher eine Gratwanderung zwischen genügend orchestraler Ausstrahlung und zu starker Verfremdung des Originals, doch während man bei Symphonic Legends hier zu sehr von einer Gesamtkomposition her dachte, wurde bei Symphony of the Goddesses zu sehr seitens der Spielserie gedacht und sich dadurch bedingt wenig Abweichung getraut. Beide Konzerte hatten ihre Stärken und Schwächen, aber das wichtigste ist, dass sie es beide schafften Emotionen zu erzeugen und mir damit einen schönen Abend zu bescheren.

Die einzelnen Stücke des Konzerts könnt ihr in folgender Playlist anhören und eure eigene Meinung dazu bilden – gerne in den Kommentaren.

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