Gott aus der Maschine

Ich habe ja seit Anfang des Jahres eine Wii U, für die ich mir bereits im Vorfeld einige Spiele organisiert hatte. Darunter war auch ein Spiel, das für mich zunächst ungewöhnlich erscheint, handelt es sich doch um einen Ego-Shooter. Nun ja, nicht ganz, aber zumindest steckt das Genre im Mix, denn bei Deus Ex: Human Revolution, seines Zeichens dritten Teils der Deus Ex-Reihe, handelt es sich genaugenommen um ein Ego-Adventure mit Shooter-Elementen, ein bisschen wie Metroid Prime.

Der Trailer erklärt die Story und das Setting bereits sehr gut. In nicht allzu ferner Zukunft wird die Welt von Großkonzernen beherrscht. Eine neue Technologie, die Augmentierung, setzt sich allmählich durch. Menschen lassen sich meschanische Teile einbauen, um ihre Fähigkeiten zu erweitern. Dies führt zu einem Druck innerhalb der Bevölkerung, da augmentierte Arbeiter gerngesehen sind, während die Ärmeren der Bevölkerung, die sich diese Operationen nicht leisten können, das Nachsehen haben. Und auch wenn man das Geld aufbringen kann, sich „umbauen“ zu lassen, so ist man in der Regel auf ein Medikament namens Neuropozin angewiesen, das die gefährliche Abstoßungsreaktion verhindern soll. Es kommt zu Aufständen und Kämpfen zwischen den Progressiven, die die Weiterentwicklung der Technologie unterstützen, und den Pro-Humanen, die diese ablehnen und zurück zur Natürlichkeit wollen.

Adam Jensen ist Sicherheitsmann bei Sarif Industries, einem Global Player in der Augmentierungstechnologie. Bei einem Überfall durch Terroristen auf die Laboratorien des Konzerns wird Adam schwer verletzt und kann lediglich durch eine großangelegte Augmentierung seines Körpers gerettet werden. Als er nach sechs Monaten an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, kommt es bereits zu einem weiteren Zwischenfall in der Fabrik der Firma. Abermals muss er sich Terroristen in den Weg stellen und verfolgt dabei Spur, die ihn in einen Verschwörungsthriller führt.

Das Gameplay findet, wie bereits erwähnt, vornehmlich in der Ego-Perspektive statt. Lediglich wenn Adam sich an Objekte presst oder um Ecken lugt, wird in die Third-Person-Ansicht gewechselt. Dabei lässt einem das Spiel die freie Wahl, ob man Rambo-mäßig alles in Grund und Boden schießt oder versucht unentdeckt an den zahlreichen Gegnern vorbeizuschleichen. Letzteres wird durch mehr Praxispunkte belohnt, die sich in Praxis-Kits umwandeln lassen, mit denen man seine Augmentierungen verbessern kann. Dies betrifft unter anderem Fähigkeiten wie höheres Springen, schnelleres Rennen, Zerstören von Wänden per Faustschlag, aber auch Vorteile im Überzeugen verschiedener Menschen, mit denen man im Laufe des Abenteuers zu tun hat. Über diese gelangt man auch an zahlreiche Nebenmissionen, die mindestens so spannend sind wie die Hauptquest.

Ich persönlich bin von dem Spiel mit seinen zahlreichen Gameplay-Möglichkeiten (auch durch das Wii U-Pad) sowie den teilweise schwerwiegenden, moralischen Entscheidungen, die man im Laufe des Spiels treffen muss, mehr als begeistert. Zu Beginn hielt ich es für einen typischen Shooter, doch wurde ich bald eines Besseren belehrt. Dieses Spiel ist ein Meisterwerk, sowohl technisch als auch von Story und Soundtrack her. Kleinere Mängel wie das teilweise merkwürdige KI-Verhalten, dass die Gegner die Suche schnell aufgeben, wenn sie am Ort an dem sie ein Geräusch gehört haben, niemanden vorfinden, während gleichzeitig alle Wachen über den Aufenthaltsort Bescheid wissen, sobald nur eine von ihnen einen entdeckt, lassen sich angesichts fordernder Schleicheinlagen verschmerzen. Leider haben auch viele Entscheidungen, die man während des Spiels trifft, keine allzu weitreichenden Konsequenzen. In der Regel machen sich die Effekte bereits im nächsten Missionsabschnitt bemerkbar, doch wirklich storyändernde Aspekte, gibt es nicht. In diesem Sinne ist das Spiel recht linear, was von vielen Fans des ersten Teils stark bemängelt wurde. Für mich taugt das Spiel jedoch als spannender Thriller mit philosophischen Ansätzen, der mich immerhin 70-80 Stunden gut unterhielt.

Wer jetzt näheres Interesse für das Spiel entwickelt hat, aber keine geeignete Plattform besitzt – das Spiel gibt’s für PS3, Xbox 360, Wii U und PC – dem kann ich das Let’s Play von MrKataPhi wärmstens ans Herz legen. Auch die Zusatzmission „The Missing Link“, die Teil des von mir gespielten Director’s Cut ist, hat er durchgespielt.

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5 Kommentare zu “Gott aus der Maschine”

  1. Dat hatte ich mal vor Jahren wegen all dem Hype im Auge, ist ja auch lang genug raus, um für PC für nen Appel und nen Ei rausgehauen zu werden. Leider gibts ja keinen Third Person Mode (und so wie das Charaktermodell beim Kriechen aussieht, ist der auch nicht patchbar), von daher hab ich’s wegen meiner drohenden Motion Sickness gelassen.

    Aber war hauptsächlich auf Sneaking zu gehen nicht auch ungünstig für die Bosse, die häufig nur per brachialer Gewalt zu besiegen sind? Oder verwechsel ich das jetzt mit Alpha Protocol… hmm

    1. Ich leide auch in der Regel unter Motion Sickness, aber hier ging es echt, man kann sich da durchaus dran gewöhnen. Zumal das eben kein typischer Shooter mit schnellen Drehungen ist, sondern weil es ja darauf ausgelegt ist, eher als Stealth-Spiel gespielt zu werden. Mir wurde eigentlich nur zwischendrin komisch, wenn ich mal durch die Stadt gerannt bin, weil ich schnell von einem zum anderen Ort kommen wollte.

      Die Bosse kann man auf zwei Arten besiegen: Draufhalten, oder die Umgebungsgegebenheiten nutzen und den Boss in ne Falle locken. Letzteres ist erst seit dem DC möglich, dem ich generell den Vorzug geben würde.

    1. Nicer Song, wenn auch nicht sonderlich poetisch oder subtil. Im Grunde wird die Grundprämisse des Spiels direkt angesprochen, wirkt also ein wenig wie ein Misheard Lyrics bzw. eines dieser Videos, die das Geschehen im Videoclip mit der melodischen Untermalung des eigentlichen Songs erzählen.

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