Traumberuf: YouTube-Star

Oder: Unterhaltung zwischen Kunst und Kommerz.

Vor circa zwei Wochen ließen die Jungs von Rocket Beans, die auch hinter Game One stecken, und ehemalige, alte GIGA-Hasen sind, die Bombe platzen: Der Channelbetrieb rechnet sich nicht, es fehlt an Geld. Bam, das sagen Menschen, die hinter einem Kanal mit knapp 170.000 Abonnenten stehen. Nun geht das große Ratespielchen los, denn woran liegt es? Und viel wichtiger: Wie geht es weiter? Ich stelle mir diese Frage nicht nur in Bezug auf die Raketenbohnen, sondern auch in Bezug auf YouTube allgemein. Im Grunde tangiert der Sachverhalt auch Internetmarketing allgemein, doch, wie heißt es so schön: Das ist ein weites Feld, Luise. Zeit, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Der Plan ist nun der, dass die Raketenbohnen sich von den Zuschauern in Form von regelmäßigen spenden supporten lassen wollen, damit der Channelbetrieb weitergehen kann, denn Werbung allein scheint bei weitem nicht genug Geld in die klammen Kassen zu spülen, da, seien wir ehrlich, die Anzahl der Abonnenten für den Normal-YouTuber sich zwar groß anhören muss, aber im Vergleich zu den Mediakraft-Größen wie Y-Titti oder LeFloid keinen Stich macht. Der Markt ist im Grunde aufgeteilt, als kleiner YouTuber da noch viel reißen zu wollen scheint unmöglich, erst recht, wenn man sich thematisch und stilistisch von dem entfernt, was die Jugendlichen heutzutage sehen wollen, ergo eine andere Zielgruppe ansprechen möchte.

Doch die hier Thematisierten sind keine kleinen YouTuber, sie sind Medienprofis und wissen sehr wohl, wie der Hase im Mediengeschäft läuft. Deswegen sind die Zuschauer des Kanals, die zum Großteil mit den Zuschauern von Game One kongruent sein dürften, gespalten. Während die einen ihren unermüdlichen Support für Rocket Beans betonen, kritisieren andere sie in Grund und Boden, schließlich könne man keine Firma auf Spenden betreiben. Welches Verhalten ist nun angebracht? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, denn natürlich war Simon, Budi, Nils, Eddi und Team das Risiko bewusst. Dass was sie machen interessiert durchaus einige Leute, aber eben keine große Mehrheit. Auf dem Kanal befinden sich weder Vlogs noch Schminktutorials, noch Katzenvideos. Nicht mal die ach so beliebten Jump-Cuts finden sich hier. Stattdessen gibt es stundenlange Talks zu allen möglichen Themen an einem schmucklosen Tisch vor einer schwarzen Wand. Das Konzept nennt sich Almost Daily und ist meiner Meinung nach eines der unterhaltsamsten Formate auf YouTube, während die jüngeren Zuschauer vermutlich keine ausreichende Aufmerksamkeitsspanne besitzen. Reduziert auf das Wesentliche sollte der Spaß auch nicht so teuer zu produzieren sein, stünde nicht ein komplettes Team vom Tontechniker über den Kameramann bis zum Cutter zur Verfügung, die alle ihre Arbeit nicht umsonst machen. Berechtigte Kritik an einem aufgeblähten Team und mangelndem Finanzierungskonzept?

An dieser Stelle kann man den Bogen zum Fernsehen spannen, wo das Privatfernsehen ebenfalls immer mehr versucht, den Großteil seines Programms mit Billiginhalten zu füllen. Als unterhaltsamer, preisintensiver Höhepunkt kommen hier höchstens noch größere Shows in Frage, aber gut recherchierte Reportagen und Dokumentationen sind dort eher nicht zu finden. Um diesen Grundbedarf abzudecken und gleichzeitig eine neutrale Berichterstattung zu gewährleisten, wurde ursprünglich die Rundfunkgebühr bzw. heute der Rundfunkbeitrag erhoben. Doch auch dieser ist mittlerweile aus dem Ruder gelaufen und zwar sowohl in dessen Höhe als auch bezüglich der Programminhalte, schließlich ist das Geld ja da, also muss es auch ausgegeben werden. Aber dies ist ein anderes Thema. Worauf ich eigentlich hinauswollte: Das Privat-TV hat diese regelmäßigen Einnahmen, auf die es sich verlassen kann, nicht. Hier muss Werbung geschalten werden, wofür die werbenden Firmen Geld springen lassen, womit wiederum das Programm finanziert werden kann. Genau dieses System ist auch das grundlegende bei YouTube und das Problem ist dasselbe wie im privaten Fernsehen: Die Quote.

Wenn ein Video viele Klicks generiert und dementsprechend eine große Zuschauerschaft anzieht, gibt es auch entsprechende Entlohnung. Doch viele YouTuber nutzen einen Adblocker und dies sind tendenziell eher Leute Mitte 20, die zudem zahlenmäßig weit hinter den Teens in der täglichen Nutzung der Videoplattform zurückstehen. Das größte Geld ist dementsprechend gleich in doppelter Hinsicht bei den Jüngeren zu holen. Mit diesem Wissen setzen Netzwerke wie das genannte, größte YouTube-Netzwerk Mediakraft voll auf diese Zielgruppe und produzieren Videos von eher jüngeren, auf cool getrimmten Hipstern, die in einer leicht überdrehten Art in wenigen Minuten dank Jump-Cuts durch das Bild springen. Zusätzlich wird auf Thumbnails, also Video-Vorschaubilder, und Videotitel gesetzt, die skandalös oder freizügig wirken sollen, obwohl der banale Inhalt des Videos dem in keinster Weise gerecht wird.

Nun musste ich den Rocket Beans stets meinen größten Respekt zollen, denn sie schafften es über lange Zeit einen Channel zu betreiben, der eine komplett andere Zielgruppe hat und ohne Tricks wie Clickbait-Titel, -Thumbnails oder irreführende Tags auskam. Wie sie im Support-Video wieder einmal betonen, wollen sie Inhalte produzieren, die ihnen Spaß machen und die selbst als Zuschauer gut finden würden. Nur marktwirtschaftlich ist das alles andere als fruchtbar. Wenn es ums Geschäft geht, ist verschwindet das You aus YouTube schnell, denn willst du Erfolg haben geht es nicht darum, was du toll findest und was du präsentieren willst, sondern was ankommt, wodurch sich die voranschreitende Beherrschung der Plattform durch Netzwerke erklären lässt. Hierzu hatte ich an anderer Stelle bereits einen Beitrag. Doch nun ist es so wie es ist, das System lässt sich nicht ändern, aber vielleicht umgehen. Denn es gibt sie noch, die Kanäle, die wertige Inhalte produzieren und keinem Netzwerk angehören, z.B. hier, hier und hier. Damit diese auch ansprechend entlohnt werden, gibt es die Plattform Patreon, welches quasi eine Art Kickstarter für den laufenden Betrieb darstellt, und wo man Inhalte von Leuten, die man für unterstützenswert hält, regelmäßig (monatlich, wöchentlich) mit einem selbst definierten Betrag unterstützen kann. Im Grunde also ein ähnliches System wie der Support-Button der Rocket Beans, bei dem allerdings eine Plattform dazwischengeschaltet ist, die mitverdient – Patreon selbst – was wiederum in Richtung des Netzwerksystems geht.

Die Moral von der Geschichte betrifft Zuschauer und Produzenten gleichermaßen, sind sie doch in gewisser Weise voneinander abhängig. Mit YouTube lässt sich nur schwer Geld verdienen, auch wenn dir deine Bravo das weiß machen will. Der Unterhaltungsmarkt ist ein hartes Geschäft und mit einer Randzielgruppe wird man auch keine Millionen von Klicks generieren können. Du solltest dir also im Voraus klar machen, dass du nur einem dienen kannst: Dir selbst oder dem Mammon, das heißt entweder gibst du deine Persönlichkeit völlig auf und kommerzialisierst dich oder du machst das, was du wirklich willst und musst damit leben, dass du stets um deine Zuschauerschaft kämpfen musst.
Für die Zuschauer stellt sich wiederum die Frage, ob und wie viel ihnen gute Unterhaltung wert ist. Ist es nicht unterstützenswert, wenn jemand Inhalte produziert, die wir unterhaltsam und interessant finden und dies nicht als selbstverständlich hinnehmen? Bei der Rundfunkgebühr haben wir keine Wahl, aber hier können wir selbst entscheiden, was wir sehen wollen und was nicht. Natürlich wird es immer Leute geben, die dies als Hobby betreiben und trotzdem gute Inhalte liefern, doch steigt mit dem Budget in der Regel auch die Qualität der Inhalte derer, die ihr Hobby noch mit Herzblut betreiben.

Meine persönliche Meinung ist wie so oft irgendwo dazwischen. Als Produzent von YouTube-Videos habe ich, da ich dieses strikt als Hobby betreibe, eine Monetarisierung meiner Inhalte schon immer abgelehnt. Ich mache dies, weil es mir Spaß macht, obschon natürlich auch Arbeit darin steckt und ich kann verstehen, dass man einerseits eine Zuschauerschaft an sich binden will, indem man regelmäßig Inhalte liefert, andererseits sich dies aber für einen selbst nicht wirklich auszahlt und man ja auch einem Hauptjob nachgehen muss, um zu leben. Der reine Hobbybetrieb erfordert also vor allem Geduld vom Zuschauer. Als dieser wiederum sehe ich den Ausverkauf der Person als kritisch, weswegen ich keine Kanäle unterstütze, die sich an die Werbeindustrie verkaufen, auch weil die Ansichten und Meinungen der Betreiber dadurch an Glaubwürdigkeit verlieren. Dies gilt vor allem für sämtliche Kanäle vorher genannten Netzwerks. Was ich allerdings sehr begrüße, sind die wertigen, interessanten Inhalte derer, die einfach das machen, das ihnen gefällt und deren Ansichten oder Hobbies sich mit meinen decken. Und viele machen dies, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Um diese Arbeit zu würdigen, sehe ich auch kein Problem darin, diese Kanäle zu unterstützen. An dieser Stelle belasse ich den Support noch in Form von Werbung für diese, doch schon bald werde ich mich den finanziellen Unterstützern anschließen.

Eine weitere Meinung zum Thema findet ihr hier.

Was haltet ihr davon? Würdet ihr Menschen, die hobbymäßig Inhalte im Internet produzieren finanziell unterstützen oder tut ihr es vielleicht schon? Welche YouTuber, Künstler, Blogger, etc. haltet ihr für entsprechend unterstützenswert? Empfehlungen gerne in die Kommentare!

Hinweis: Die Inhalte auf darkIkarusEssence (sowohl Blog als auch Channel) werden auch in absehbarer Zukunft kostenlos und, zumindest von meiner Seite aus, werbefrei bleiben. Mein Hobby bleibt mein Hobby und ich freue mich einfach darüber, wenn sich Interessenten für selbiges finden. Support in Form des Teilens meiner Beiträge ist aber immer gern gesehen!

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8 Kommentare zu „Traumberuf: YouTube-Star“

      1. Aber ich will doch meinen liebsten YT-Star es spielen sehen D;

        Dass die Internet-„Star“ Blase platzen würde, sehe ich eigentlich seit Jahren kommen. Nennt mich halt einen Pessimisten. Aber ein Großteil des Publikums ist eben jung, und die klicken nicht auf so blöde Werbebanner oder haben direkt Adblock an, weil sie auf jeder zeiten Homepage erst mal von 5 davon zugemüllt wurden. Dass solche Werbeeinblendungen vor den Videos überhaupt mal genug Geld generiert haben, um Leuten das YT-Video-Machen zum Vollzeit-Beruf zu ermöglichen, hat mich da immer gewundert, eher nicht, dass es sich ja jetzt scheinbar doch nicht auszahlt, weil eben weniger und weniger für jene Einblendungen rausspringt, da den Firmen aufgefallen ist, dass im Internet eh jeder Werbebanner entweder maschinell oder manuell ignoriert.

        1. Das Problem an dem Konzept ist, dass im Internet eben genau gezählt werden kann, wie viele Einblendungen das Banner hatte oder wie oft die Werbung abgespielt wurde. Im TV zahlen die Werbetreibenden im Voraus, unabhängig davon, wie viele Leute am Ende zuschauen. Von daher war von vornherein klar, dass das Konzept Geldverdienen mit Werbung nicht ewig trägt, aber dasselbe gilt auch für die Fernsehbranche, denn auch die haben schwindende Werbeeinnahmen.

          Es geht auch gar nicht um die „Internet-Star-Blase“ wie du es nanntest, denn die Großen haben eine ganze Weile die geringsten Probleme. Das Problem der Rocket Beans ist da eher, dass sie eben ne komplette Firma darstellen als dass nur ein oder wenige Leute das alles zusammen aus dem Boden stampfen und dementsprechend erhöhte Ausgaben haben. Eigentlich geht es um neue Finanzierungskonzepte für alle und ob uns Kunst und Unterhaltung, also etwas Immaterielles, etwas wert ist und wenn ja, wie viel und über welche Kanäle dies laufen sollte. Spenden sind auf Dauer nämlich keine verlässliche Einnahmequelle, es müssten schon Abos angeboten werden. Aber da spielen halt alle momentan so ein bisschen Beamten-Mikado: Wer sich zuerst bewegt, verliert, wohl wissend, dass das Erdbeben nicht fern ist.

  1. Mir sind die meisten Kanäle, die ich schaue, nicht wichtig genug, um da aktiv Geld reinzupumpen. Was Werbe-Blocker angeht, handhabe ich das so: Generell hab ich einen aktiv, aber bei Seiten, die ich regelmäßig besuche, schalte ich den Blocker ab. Wenn Internet-Werbung nicht im Allgemeinen unglaublich nervig und aufdringlich wäre, ginge es auch ganz ohne. Bei YouTube ist das aber kompliziert, da man die Blocker nicht kanalweise abschalten kann – schließlich funktionieren die Blockierungs-Listen auf den URLs und da steckt keine Kanalinfo drin. Außerdem ist Video-Werbung mit Ton richtig ätzend!

    1. Ja, das mit YouTube stört mich auch immer ziemlich. Wobei ich mich frage, wie das läuft, wenn die Videos eingebunden sind auf einer anderen Seite, auf der ich den Ad-Blocker dann deaktiviere.

      Generell wäre ich aber, sobald ich meinen Lebensunterhalt mit nem ordentlichen Job bestreiten kann, durchaus bereit für gutes Entertainment und Edutainment zu zahlen.

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