Morgen ist auch noch ein Tag…

Ich habe ein Problem. Ein ernsthaftes. Es trifft viele Menschen in diesem Lande und sicher auch weltweit in Industriegesellschaften immer wieder. Die Volkskrankheit Prokrastination.

Ich nehme an, dass viele damit schon Erfahrung gemacht haben. Man arbeitet für Schule, Uni oder auch im Job an einem Projekt, das aufwändiger ist, dass man aber unbedingt zu Ende bringen muss, denn eine Deadline kommt so langsam in Sichtweite. Doch man schafft es einfach nicht, sich rumzureißen und an die Arbeit zu setzen. „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“, das hatte die Mutter immer gesagt. Dabei heißt es gar nicht unbedingt, dass man faul ist, ganz und gar nicht: Für andere Projekte, teilweise ebenso arbeitsintensive, nimmt man sich wesentlich mehr Zeit. Wenn man diese Energie nur umleiten könnte und für das, woran man arbeiten müsste nutzen, doch so einfach lässt sich geistige Energie nicht umwandeln. Also schiebt man den Kram auf und auf und auf… bis irgendwann die Deadline so nah heranrückt, dass man Panik bekommt und anfängt zu arbeiten… und das über mehrere Tage unter Schlafentzug und Coffeinüberschuss. Gesund ist das Ganze natürlich gar nicht, weder für den Körper noch den Geist noch das soziale Umfeld, das man während dieser Zeit sträflich vernachlässigt. Aber man ist ja auch irgendwie selbst schuld. Warum konnte man nicht eher anfangen? Warum teilt man sich die Arbeit nicht ein? Man schafft es letztlich, das Projekt gerade rechtzeitig zu beenden und beschließt völlig ausgezehrt, es beim nächsten Mal ganz anders zu machen… doch wird sich alles wiederholen.

Genau so ging es mir im Laufe meines Studiums immer wieder und gerade ist mal wieder so ein Moment, an dem ich kurz vorm Verzweifeln stehe, nämlich meine Master-Arbeit. Ich habe eine Frist, und zwar nächste Woche Montag. Ich weiß worum es geht. Ich finde das Thema nicht uninteressant, immerhin habe ich es selbst gewählt. Doch schaffe ich es, mich hinzusetzen und daran zu arbeiten? Jedes Mal, wenn ich davor sitze, versuche ich aufs Neue zu schreiben. Ich tippe einen Satz ein und lösche ihn wieder. Irgendwie gefällt mir der Stil nicht. Es gibt eine Menge Gedanken, die ich am liebsten alle zusammen in einen Satz schreiben würde, doch er ordnet sich nicht zusammen. Und dann sind da noch die Formalia zu beachten. Hier eine Quellenangabe für die Info, da eine Fußnote, dort einen Verweis auf das Glossar. Es ist anstrengend, es ist kräftezehrend und ich weiß, dass es viele andere Dinge gibt, die ich außerdem noch zu erledigen hätte. Wie zum Beispiel Arbeit im Haushalt, Vorbereitungen für Uni-Seminare, die ich im Grunde nur noch aus Interesse belege und natürlich mein Nebenjob. Dann kommt der Blackout. Man bekommt keinen geraden Satz mehr zustande, man verfällt in Panik, Verzweiflung, will alles hinschmeißen und rafft sich dann doch wieder auf um letztlich eine halbe Seite zu schreiben, die einem so nicht gefällt und die man am liebsten sofort wieder umschreiben würde. Wofür brauche ich diesen Mist? Was ist der Sinn des Ganzen? Ich habe doch ansonsten alle Prüfungen bestanden!

Und so geht es weiter – tagein tagaus. Man fühlt sich, als könne man eine Menge produktiver Dinge in der Zeit erledigen. Es stimmt: Je schwerer die Prüfung, desto sauberer die Wohnung. Und gleichzeitig fühle ich mich unwohl, weil ich in Bergen von Büchern und Notizen untergehe und schmiede schon Pläne über die Zeit, wenn alles vorbei ist. Bis dahin steht mir allerdings noch eine harte Woche bevor. Ohne soziale Kontakte und all den Luxus-Schnickschnack für den ich gerade keine Zeit hat. Ich bewundere die Menschen, die regelmäßig arbeiten können und sich ihre Großprojekte einteilen. Doch ich bin leider eher einer der anderen Sorte: Ich habe solange ein Motivationsproblem bis ich ein Zeitproblem habe…

Wie ergeht es euch? Zu welchem Typ Mensch würdet ihr euch zählen? Was sind eure Strategien gegen das Aufschieben? Erzählt eure Geschichten in den Comments!

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7 Kommentare zu „Morgen ist auch noch ein Tag…“

  1. Deine Erfahrungen kann ich nur teilen. Bei meiner Magisterarbeit war es abzusehen, dass ich sie nicht rechtzeitig fertigstellen werde können. Also schickte ich meinem Prüfungsamt eine entsprechende Mail mit der Bitte um einen Versuch #2, der mir auch gewilligt wurde. Beim zweiten Versuch habe ich mir vorgenommen, alte Muster aufzubrechen und mir vorweg eine Art Fahrplan zu erstellen. Auch wenn dieser nicht richtig eingehalten werden kann, so hat man doch zumindest einen roten Faden, an den man sich entlanghangeln kann und der einem aufzeigt, dass die Zeit nach hinten hin immer knapper wird, wenn der folgende Punkt nicht endlich erledigt wird. Ob diese Methode von Erfolg gekrönt sein wird, zeigt die Zukunft. Auf jeden Fall muss ich mich ab demnächst innerhalb eines halben Jahres in ein (mehr oder weniger) neues Thema einarbeiten, es am Ende in Schriftform ausführen und das ganze hoffentlich fristgerecht abgeben. Drück mir die Daumen, dass ich es schaffe, denn ich drücke dir schon seit einer Weile dieselbigen, dass du alles schaffst und nicht, wie ich, kurz vor dem Ende Panik bekommst und gar nichts mehr machst. 😉
    DU PACKST DAS!!!

  2. Noch schlimmer wird die Aufschieberitis, wenn man keinen offiziellen Abgabetermin hat und nur von sich aus zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein will. Dann wird aus morgen schnell mal ein paar Monate später.

    1. Das ohne Frist hatte mich auch getroffen da zuvor ich eine Hausarbeit zu erledigen hatte. Im Endeffekt war dies der Grund, weshalb die MA-Arbeit verschoben werden musste.

  3. Ich bin so gut darin, mich von den Sachen, die ich eigentlich machen wollte/sollte abzulenken. Ich glaube ich habe noch nie nichts auf den letzten Drücker gemacht. Zumindest seit der Pubertät, als Kind war ich noch nicht so. Hab ich bis Heute auch nicht „kuriert“ bekommen, es wird mit dem Alter eher noch schlimmer 😀

  4. Ging mir mit meiner B.A.-Arbeit nicht anders und wird mir mit meiner M.A.-Arbeit bestimmt auch wieder nicht anders gehen. =\ Wobei es bei mir mit sowas in letzter Zeit besser wird und ich immerhin fast ohne schlaflose Nächte auskomme, da mir meine Frau hin und wieder mal in den Arsch tritt und mich zur Arbeit motiviert xD
    Es wird zwar wohl nicht mehr schön, aber du schaffst das schon =) Kanns kaum erwarten die Arbeit korrektur zu lesen ^^

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