Der Kleinkünstler und der Kommunist

Was würdet ihr tun, wenn es eines eines Morgens an der Tür klingelt, ihr sie öffnet und plötzlich einem Känguru gegenüberstündet? Vermutlich ähnlich verdattert aus der Wäsche schauen wie Marc-Uwe Kling, seines Zeichens Kleinkünstler, der nicht so genannt werden will. Dabei ist dies erst der Anfang von vielen seltsamen und erheiternden Erlebnissen, die da noch kommen. So stellt sich bald heraus, dass das Känguru natürlich Kommunist ist und im Vietnam gekämpft hatte, obschon das angesichts der Lebenserwartung dieses Tieres gar nicht sein könnte, doch Realität und Fiktion mischen sich schnell, wenn es darum geht, eine Parabel auf das Leben in seiner ganzen Wahnwitzigkeit zu erzählen.

Dies ist die Geschichte der Känguru-Chroniken, ein Buch genannten Kleinkünstlers, der darin episodenhaft über den nicht ganz gewöhnlichen Alltag mit seinem gebeutelten Mitbewohner erzählt, der ihn wiederum manches Male in den Wahnsinn treibt. Sei es, weil sich dieser kurzerhand sämtlicher Gegenstände seiner Wohnung bemächtigt – hervorzuheben sei hier der Kühlschrank samt Inhalt – da „deins und meins ja schließlich bürgerliche Kategorien sind“, mit denen sich ein guter Kommunist nicht weiter beschäftigt. Oder aber durch die stetig neuen Ideen an Geld zu kommen, wie den Verkauf überlanger Klingeltöne über seine 0900er-Nummer. Oder einfach durch seine viel zu große Klappe.

Außerdem lernen wir noch jede Menge skurrile Nebencharaktere kennen, wie die Herta von der Eckkneipe, die beiden Migrantenkinder Otto von und Friedrich Willhelm bis hin zu seinem vermeintlich größtem Widersacher: Einem Pinguin, der als Tiefkühlkost-Vertreter arbeitet.

Dabei wird bewusst kein Wert auf Political Correctness gelegt. Nicht einmal die Eigenarten der Sprache selbst bleiben verschont. Garniert wird das Ganze immer wieder mit marxistisch angehauchten Thesen des Kängurus aus seinem Werk „Opportunismus und Repression„. Ein kleiner Vorgeschmack gefällig?

Vielerlei Zutaten also für eine wahnwitzig-chaotische Satire auf alles, das nicht bei drei auf den Bäumen ist. Mehr muss dazu wohl kaum gesagt werden. Zu empfehlen ist dabei besonders die Hörbuch-Version, da es sich dabei um die Aufzeichnung einer Live-Lesung des Künstlers selbst handelt und dieser die Charaktere im Buch mit entsprechend verstellten Stimmen derart gekonnt liest, dass man ihm das Geschriebene als Tatsachenbericht abkauft. Gekonnt spielt er mit Sprache, Perspektive und auch zeitlichen Abläufen, ohne dass man als Zuhörer den Faden verliert. Von mir gibt’s daher…

Fazit: ★★★★★

Nächste Woche werde ich dann berichten, ob der zweite Teil der Trilogie das hohe Niveau des Erstlings halten kann.

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4 Kommentare zu “Der Kleinkünstler und der Kommunist”

        1. Oder einfach, weil es wesentlich mehr hilarious ist! Normal bevorzuge ich aber auch das geschriebene Wort, weil ich mir gern die Charaktere selbst vorstelle. Aber hier kommt die Lesung ja zumindest direkt vom Autor selbst.

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