Review: Maleficent

Kaum ist das letzte Film-Review geschrieben, kommt schon wieder ein Neues, aber diesmal geht es wohl etwas massenkompatibler zu, denn der Iki war mal wieder in einem ganz normalen Mainstream-Kino und hat sich den aktuellen Streifen aus dem Hause Disney angesehen: Maleficent – Die dunkle Fee. Der alte Stoff von Dornröschen aus einer neuen Perspektive? Ja, so wurde es angekündigt, doch dann wurde es doch ein wenig anders als erwartet…

Die Story um Dornröschen kennt eigentlich jeder, zumindest die Disney-Fassung, weswegen ich hier eigentlich nicht mehr darauf eingehen müsste. Eigentlich, denn hier läuft alles ein bisschen anders: Die zentrale Figur heißt Maleficent, die einst als schönste und mächtigste der Feen in den Mooren ihr Leben in Harmonie mit den dortigen Bewohnern fristete. Dort schloss sie auch Freundschaft mit dem Menschen Stefan, den sie dabei erwischte, wie er einen Edelstein stehlen wollte. Über die Jahre verbrachten die beiden viel Zeit miteinander bis er sich ohne einen Grund zu nennen von ihr abwandte.

Eines Tages kamen die Menschen, um ihr Territorium auszubreiten. Doch dank der Hilfe der Ents Baumgeister gelang es ihr, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Doch der König wollte nicht aufgeben und versprach demjenigen eine Belohnung, der Maleficent töten würde. Stefan kehrte indes zu ihr zurück und in ihrer Naivität vertraute sie ihm. Er hingegen betäubte sie und statt sie zu töten stahl er ihre Flügel. Dem König präsentierte er diese als Beweis, sie getötet zu haben, wodurch Stefan zum Nachfolger ernannt wurde. Als Malificent merkte, was ihr angetan wurde, wurde sie bitter und rachsüchtig und um sie herum verdunkelten sich die Moore.

Zurück in der Gegenwart geht die Geschichte ihren gewohnten Gang: König Stefan bekommt mit seiner nicht näher benannten Gemahlin ein Kind, das sie Aurora taufen. Zur Taufe kommen auch drei Feen, die ein Zeichen des Friedens setzen wollen und Aurora die Gaben der Schönheit und Weisheit schenken, doch bevor die dritte Fee ihren Wunsch aussprechen kann, taucht Maleficent uneingeladenerweise auf und spricht einen Fluch über das kleine Mädchen, auf dass sie sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen werde und in einen „todesähnlichen Schlaf“ verfallen, aus dem sie nie mehr erwachen möge. Aber weil der König sie auf Knien anbettelt, zeigt sie sich gnädig und gewährt Erlösung, sobald die Prinzessin einen Kuss wahrer Liebe erfahre, im tiefen Glauben, dass es diese nicht geben kann.

Okay, zunächst einmal: „Was soll das?“, mögt ihr euch, genau wie auch ich, fragen. Wo bleibt der Todesfluch, der durch die dritte Fee (die ja auch in dieser Fassung noch einen Wunsch frei hat) erst abgeschwächt wurde? Anscheinend wäre das zu hart für das heutige Disney-Publikum, dient es aber auch dazu, die Wendung im weiteren Verlauf zu erklären. Denn Maleficent (die übrigens auch in der deutschen Fassung Maleficent und nicht wie noch in der Zeichentrickvorlage Malefiz heißt) ist nicht von Grund auf böse. Im weiteren Verlauf des Films gibt es immer wieder Momente, in denen sie Aurora (auch dieser Name wird englisch ausgesprochen) einfach töten könnte respektive wäre diese ohne ihr Zutun an mehreren Stellen im Film bereits verendet. Man wollte hier mit aller Macht dafür Sorge tragen, Malefiz als missverstandenen Charakter zu etablieren.

Im Grunde ist es löblich, dass man versucht, Remakes neu zu erzählen und hier und da einen gewissen Twist reinzubringen und das alte Gut-Böse-Schema aufzubrechen, indem man den Charakteren Motive für ihre Handlungen gibt. Jedoch hat man hier die Story komplett umgeschrieben und die gute Angelina Jolie in der Rolle der Malefiz glänzen lassen, während die übrigen Charaktere unglaublich farblos und redundant daherkommen, was leider auch dazu führt, dass viele der Handlungen und Motive seltsam bis unlogisch erscheinen. Überhaupt fragt man sich, warum die Fee, wenn sie denn eigentlich gut ist, Malefiz heißt, der ja vom Lateinischen abgeleitet eben „Übeltäter“ bedeutet und nur deshalb passte, weil die Motivation des ursprünglichen Märchens, nämlich, dass die Fee aus Geschirrmangel nicht zur Taufe eingeladen wurde, fehlte.

Wäre dies der einzige Makel, so würde ich sicher darüber hinwegsehen, doch der Film bot derart viele Ungereimtheiten, dass man sich fragen muss, ob ein denkender Mensch jemals dieses Drehbuch gelesen hatte. So wird der Dornenwall hier um die Moore gebaut, um diese vor den Menschen zu schützen und nicht um das Schloss, um zu verhindern, dass der Prinz Dornröschen erreichen kann, welche sich im Übrigen nach erster Hilfestellung anscheinend frei durch diesen bewegen kann und die Feen, die eigentlich auf das Kind Acht geben sollte, damit es nicht in die Hände der dunklen Fee fällt, scheint es in keinster Weise zu kümmern. Letztere bekommt im Übrigen im Laufe der Geschichte Gewissensbisse und will den Fluch von dem Kind nehmen, muss aber feststellen, dass sie keine Macht über das einmal Ausgesprochene hat. Aus diesem Grund verhilft sie später dem Prinzen Philipp sogar dazu, Zutritt zum Schloss zu erlangen, wo die ratzende Prinzessin rumliegt. Den darauf folgenden Twist, lasse ich an dieser Stelle unerwähnt, doch er ist hochgradig erwartbar und macht das Regenbogenkotze-Ende noch etwas seltsamer.

Ich habe hier natürlich nicht alle Logiklücken in aller Breite aufgeführt, um geneigten Lesern, die sich selbst von dem Werk überzeugen möchten, nicht den letzten Rest Spannung aus diesem Film zu quetschen, doch es reicht, um einen guten Eindruck von dem zu gewinnen, was man hier versucht, aber nicht gekonnt hat. Hinzukommen immerhin ein paar schöne Bilder, die leider mit zuviel CGI aufwarten und ein sehr gehetztes Ende. Bei gerade Mal 97 Minuten Länge – die Kinofassung wurde zugunsten einer FSK 6 übrigens um 40 Sekunden erleichtert – hätte man noch die ein oder andere Minute für einen spannenderen Showdown übrig gehabt, doch im Endeffekt ist man dann vielleicht doch ganz froh, dass es vorbei ist – ich zumindest.

Wertung: ★☆☆☆☆

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Ein Gedanke zu „Review: Maleficent“

  1. Unglaublich, haben wir den gleichen Film gesehen? Meiner Meinung war dieser Film der beste, den ich seit langem gesehen habe.
    Er weicht von der Originalstory ab? Na und, man muss den Film als eigenständiges Werk sehen.
    Ich finde den Film für einen Disney Film echt düster, diese Atmosphäre wird aber super durch lustige Szenen mit den Fehen aufgelockert.
    Außerdem bekommt der Zuschauer eine fantastische Szenerie geboten. Das kitschige Moor und dessen Wandlung, die stets gut gelaunte und hilfsbereite Maleficent und ihr dunkles ich nach dem Verrat.
    Klar manche Figuren bleiben zu blass, ihnen wird zu wenig Zeit gewidmet. Hier hätte dem Film ein paar Minuten mehr gut getan. Aber gerade der anfängliche Hass gegen das Kind, die innere Zerrissenheit von Maleficent, die ihm Grunde ihres Herzens einen guten Charakter hat, hin zur Liebe zu dem Kind werden meiner Meinung nach fantastisch von Angelina Jolie dargestellt.
    Schade, dass dich dieser fantastische Film anscheinend gar nicht erreichen konnte.

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