Review: Why don’t you play in Hell?

Ich bin zurück mit einem Film, der frisch vom größten japanischen Filmfestivals außerhalb Japans kommt. Der Iki war nämlich mal wieder in der Weltgeschichte unterwegs und hat in Frankfurt der Nippon Connection einen Besuch abgestattet, wo man das neueste Werk von Shion Sono begutachten konnte: Jigoku de naze warui?

Der Clan von Mutô und Ikegami sind sich gar nicht grün und bekriegen sich über Jahre bis auf den Tod um die Vorherrschaft in einem nicht näher benannten Gebiet in Tôkyô. Als Ikegami einen Überfall auf die Mutôs durchführt, findet er nur seine Frau Shizue vor, die gerade dabei war, Essen zuzubereiten. Wenig später trifft ihre zehnjährige Tochter, eine Ikone der Zahnpasta-Werbung, daheim ein und findet wortwörtlich ein Blutbad vor. Der einzige Überlebende ist Ikegami selbst. Shizue wurde indes wegen Totschlags in mehreren Fällen verhaftet und sitzt die nächsten zehn Jahre hinter Gittern. Die Werbung mit ihrer Tochter wird aus Image-Sorge aus dem Programm genommen.

Szenenwechsel: Die Schulfilm-Crew um Jun Hirata, die sich die „Fuck Bombers“ nennen versucht seit Jahren erfolglos einen Film zu drehen, der Publikum anzieht. Deswegen bittet Hirata an einem Schrein um die Hilfe des großen Filmgottes, auf dass er einen einzigen großen Filmhit landen möge, um danach glücklich sterben zu können. Der Wunsch wurde ihm die nächsten zehn Jahre unerfüllt bleiben…

Zeitsprung: Shizues Entlassung steht kurz bevor, weswegen ihr Mann alle Hebel in Bewegung setzt, um sie gebührend in Empfang zu nehmen. Im Zentrum steht der Traum Shizues, ihre Tochter Mitsuko in einem Film zu sehen, doch diese hat keine Lust dazu, in einem langweiligen, verkitschten Film mitzuspielen und lieber eine Bad Ass-Heroin spielen. Da kommt ihrem Bater die Idee das Naheliegende mit dem Nützlichen zu verbinden und einen Film über den Überfall auf den Clan Ikegamis zu drehen. Regie führen soll dabei der neue Freund der Mitsukos, den sie bei ihrer kurzen Flucht aufgegabelt hatte und der dies als einzige Chance sah, nicht von ihrem Vater um die Ecke gebracht zu werden. Dabei hat er so gar keine Ahnung vom Filmemachen. Als er die Verzweiflung seiner Lage erkennt, rennt er davon und kommt durch einen „merkwürdigen“ Zufall auf seine Rettung: Regisseur Hirata!

Bumm! Was für ein Plot, sowas muss man erstmal sacken lassen. Shion Sono ist ja bekannt dafür eine Handlung gerne über mehrere Handlungsstränge und Zeitebenen zu verteilen, aber hier ist man von der schieren Anzahl an Charakteren doch zunächst einmal erschlagen – ich habe die einzelnen Mitglieder der Gangs zur besseren Übersicht mal ausgelassen. Dass diese auch alle einen leichten Schaden haben, ist auch üblich, wobei sich alle Motive der einzelnen Charaktere nachvollziehen lassen. Denn eins muss man Sono lassen: Er hat einen unglaublichen Filmoutput die letzten Jahre, denn kaum ein Jahr kommt ohne einen neuen Film von ihm aus. Dass dabei nicht jeder Schlag ein Treffer wird, ist eigentlich abzusehen, dennoch hält er ein vergleichsweise hohes Niveau. Dies trifft auch auf Why don’t you play in Hell? zu, der laut seiner Aussage maßgeblich durch Kill Bill beeinflusst wurde, welcher ja ironischerweise eine Hommage an Eastern-Filme war, was man an Anspielungen wie dem darin prominent auftretenden, gelb-schwarzen Bruce Lee-Anzug merkt.

Doch meiner Meinung nach erinnert der Film wesentlich mehr an den ersten Teil seiner Hass-Trilogie, Love Exposure. Die Handlung, die Machart, die Charaktere und sogar Teile des Soundtracks wurden komplett übernommen… wobei Why don’t you Play in Hell? weitaus mehr auf die humoristische Schiene geht und um einiges gewalthaltiger, wenn auch in einer derart übertriebenen Weise, dass es bewusst comichaft wirkt ist und leider bietet die Story auch keinerlei Überraschungen, was wohl angesichts eines Sono-Films die größte Überraschung sein dürfte: Man wartet auf den Twist, der in der überdrehten, viel zu langatmigen Gewaltorgie nie kommt. Fazit: Für einen unterhaltsamen Hirn-abschalt-und-Spaß-hab-Abend empfehlenswert. Wer allerdings mehr Zeit übrig hat und diese in einen ähnlichen, aber weitaus tiefgängigeren Film investieren will ist mit Love Exposure besser beraten.

Wertung: ★★★☆☆

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