HBC: Meine Nachbarn die Yamadas

Letzte Woche hatten wir ja endlich die Cube-Reihe zu Ende gebracht und damit Raum geschaffen für eine neue Review-Reihe, die ab jetzt vorerst jede Woche an dieser Stelle stattfinden wird. Doch keine Sorge: Es werden zwischendurch noch andere Beiträge kommen. Aber starten wir nun erstmal in unsere Ghibli-Wochen und hier mit einem Werk von Takahata Isao, der einerseits die Rolle des Mentors Miyazaki Hayaos hatte, andererseits doch immer in seinem Schatten stand. Während letzter Regie bei den großen Blockbustern führte, erstellte Takahata stehts die ruhigeren, aber meist weitaus tiefgängigeren Filme. Eines seiner Werke ist Hôhokekyo – Tonari no Yamada-kun, ein Episodenfilm.

*Leider war kein englischer Trailer vorhanden, also musste ich auf französische Untertitel zurückgreifen. Go-men!

In Meine Nachbarn die Yamadas erleben wir den banalen bis urkomischen Alltag der Titelgebenden Familie. Der Vater Takashi ist ein typischer japanischer Geschäftsmann und arbeitet hart, aber nicht besonders gern. In seiner Freizeit beschäftigt er sich, wenn er mal Abstand von der Familie gewinnen will, mit dem Pachinko spielen. Seine Frau Matsuko hütet derweil das Haus, das sie allerdings nicht besonders ordentlich hält. Die Hausarbeit liegt ihr nicht besonders und daraus macht sie keinen Hehl. Hinzukommt noch ihre Mutter Shige, die sich des Öfteren in Dinge einmischt, die sie nichts angehen, im Endeffekt aber immer die ist, die einen kühlen Kopf bewahrt. Dann sind da noch die Kinder der Familie, Noboru und Nonoko, die des Öfteren ihre Eltern zur Weißglut bringen. Und nicht zu Vergessen gibt es da noch den Familienhund Pochi, der allerdings keine größere Rolle hat. Er ist einfach da.

Wir verfolgen also die Alltagserlebnisse dieser skuril bis gewöhnlichen Charaktere in unzusammenhängenden Episoden. Oftmals bemerkt man nicht gleich, dass die neue Szene mit der vorangegangenen nichts zu tun hat. Im Kern beschreiben sie aber das typische Zusammenleben einer traditionellen, japanischen Familie. Dies führt dazu, dass oftmals entlarvende bis gesellschaftskritische Passagen zitiert werden, die aber durch die sympathischen Charaktere in charmanter Weise rübergebracht werden. So freut sich der Vater über den ersten Schnee und will sofort ein Foto mit der ganzen Familie machen, doch die sitzt lieber vor dem Fernsehgerät und schaut einen Film über einen eingeschneiten Bergsteiger. Oder in einer anderen Szene ist die Mutter mal wieder zu faul zum Kochen und erwähnt mehr als beiläufig, dass sie doch Sushi bestellen könnten, nur damit die Oma aufspringt und es selbst macht, weil das ja sonst zu teuer werde. Stattdessen versucht sie sich jedoch an Bœf Stroganoff, welches ihr gründlich misslingt, weshalb die Mutter am Ende mehr Arbeit hat als vorher.

Beim Betrachten der Szenen musste ich mehr als einmal schmunzeln oder sogar laut lachen, denn die Episoden sind teilweise wirklich lustig, erst Recht, wenn man Japan erfahren hat und weiß, dass vieles im Film Dargestellten Tatsachen entspricht. Hier kommt auch die erwähnte Gesellschaftskritik zum Tragen, die die Japaner selbst entweder nicht sonderlich witzig fanden oder schlicht nicht begriffen haben, denn der Film ist seinerzeit an den Kinokassen mächtig gefloppt und führte dazu, dass Takahata viele Jahre keine Filme mehr für das Studio Ghibli produzierte. Sein Comeback kam erst im vergangenen Jahr mit Kaguya-hime no monogatari, welches auf einem der ältesten japanischen Märchen basiert. Schade eigentlich, denn ich habe mich wirklich köstlich amüsiert und wenn der Film ein klein Wenig runder gewesen wäre, hätte er sich durchaus zu meinen liebsten Ghibli-Filmen rechnen können.

Wertung: ★★★★☆

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2 Kommentare zu „HBC: Meine Nachbarn die Yamadas“

    1. Ich würde sogar sagen, dass es mehr als Pausenfüller zwischen zwei Serien taugen würde, schließlich basiert der Film auch auf kurzen Vier-Panel-Strips, wodurch klar ist, dass eben keine durchgehende Handlung entstehen kann. Trotzdem bleibt der Film irgendwie durch seine Machart, vor allem natürlich durch seinen Zeichenstil, irgendwie artsy.

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