Quo vadis, YouTube Deutschland?

Wer meine Let’s Play-Videos auf YouTube, insbesondere die über Donkey Kong Country 2, aufmerksam verfolgt, wird mitbekommen haben, dass ich mich in einer Episode über den Werdegang des deutschen YouTubes ein wenig auslasse. Darin spreche unter anderem von Y-Titty, Ponk (nicht der Beleuchtete Bruder) und so weiter.

Diese Channels haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Comedy zu „revolutionieren“ und ziehen dabei alle Register der Peinlichkeiten. Hier schalten lediglich pubertäre Teenies ein, denen selbst das Niveau der üblichen Penis-Witze noch zu hoch hängt. Trotzdem scheinen diese zahlreich vertreten zu sein, denn der Erfolg dieser Channels ist gigantisch. Ein ganzes Netzwerk hat sich, nach amerikanischen Vorbildern wie Machinima, Maker Studios und Co., darum gebildet, genannt „Mediakraft„. Auf seiner Seite präsentiert sich der Verein als Unterstützer kreativer YouTuber. Doch die Intransparenz und das was aus dem Backstage-Bereich hervorsickert, brachten diesem, wie auch schon den US-Vorbildern, bereits Kritik ein.

So hatte Zapp Anfang dieses Jahres einen Beitrag über eben diese deutschen Netzwerke gemacht und dabei auch ein Interview mit einem der führenden Köpfe hinter „Mediakraft“ geführt: Christoph Krachten. Dieser führt seit vielen Jahren das recht erfolgreiche YouTube-Magazin Clixoom, in dem er verschiedene Promis interviewt und der Community die Möglichkeit gibt, Fragen an diese einzusenden. Sein wenig kritisches Hinterfragen, insbesondere gegenüber fragwürdiger Texte von Gangster-Rappern, blieb von Kritikern nicht ungeschont. Herrn Krachten verfügte zudem darüber, dass das Interview mit ihm in dem eher kritischen Bericht von Zapp nicht auf YouTube erscheinen darf. Ironischerweise nimmt das Mediakraft-Netzwerk selbst intransparente Verwertungsgesellschaften in den Clips seiner Partner aufs Korn – anscheinend versteht man aber den Spaß lediglich unidirektional.

Doch machen wir uns nichts vor, es geht den Produzenten der diversen Netzwerke dies- und jenseits des großen Teichs nicht wirklich um das Fördern von Talenten, sondern allem voran ums Kohlescheffeln. Darin sind sie zumindest, wie die Abonnenten- und Zugriffszahlen diverser Channels und Videos veraten, gut. Doch wo bleibt die Seele hinter dem Projekt und wo die Moral? Gerade videoamt, einer der schärfsten Kritiker von Mediakraft auf YouTube, bringt hier interessante Argumente vor:

Harte Worte, doch im Grunde entsteht hier tatsächlich das Äquivalent zu den großen öffentlich rechtlichen und privaten TV-Sendern und in der Tat ist dies eine Machtmachinerie, die sich zur Gewinnmaximierung selbst erhält. Solange dies nur im Unterhaltungssektor der Fall ist, muss man dies zwar nicht zu kritisch beäugen, doch sobald Meinungsmache, wie im oben erwähnten Fall von Zapp, betrieben wird, wird es definitiv gefährlich. Auch dubios kann man das „Jobangebot“ bewerten, das oben genannter Kritiker in einem weiteren Video kommentiert und mich dagegen sprachlos zurücklässt.

Nun fragt ihr euch: Was kann man gegen intransparente Verwertungs-Netzwerke tun? Angesichts der Werbefinanzierung, die sich aus Aufrufen generiert, scheint es so simpel wie einfach: Nicht aufrufen! Doch so leicht ist es dann doch nicht, denn über einhundert Kanäle gehören diesem bereits an, darunter die größten YouTuber Deutschlands, welche an allen Ecken und Enden der Videoplattform empfohlen werden. Tragischerweise gehört auch die Marke GIGA, einstmals ein Garant für gute Abendunterhaltung und die Wiege der in meinen Augen weiterhin wirklich guten und amüsanten MTV-Produktion Game One, Mediakraft an. Angesichts dieser Macht haben kleinere YouTuber, die keinem Netzwerk angehören, überhaupt keine Chance, ihre Kreativität mit der Welt zu teilen. Und diese ist es, die das Unternehmen bei der Gründung der Videoplattform eigentlich in den Fokus stellen wollte. Hier wäre ein guter Ansatzpunkt für ein vergleichbares Projekt wie Fernsehkritik anzusetzen, nur eben auf das Internet-TV bezogen.

Am Ende bleibt nur der Trost, dass es ein paar Kanäle gibt, die sich dem Verwertungsnetzwerk nicht verschrieben haben und dennoch erfolgreich laufen. Hierzu zählen Die Aussenseiter, deren Comedy zwar ebenfalls nicht meinen Geschmack trifft, die ich aber aus genannten Gründen noch guten Gewissens empfehlen kann. Lars Golenia mit seinem Projekt fern-gesehen oder aber auch Gronkh, der allerdings ein eigenes Netzwerk für Let’s Player aufgebaut hat. Sollte ich über dieses negative Kritik lesen, so werde ich es euch beizeiten wissen lassen. Vielen Dank auch an Lightcatcher, durch dessen Feed ich überhaupt erst wieder auf das Thema gekommen bin.

Ich für meinen Teil halte mich von der Kommerzialisierung meiner Inhalte, ob Blog oder YouTube, solange ich noch nicht dazu gezwungen werde, fern. Es ist mein Hobby. Ich möchte anderen damit Freude machen bzw. meine Freude mit anderen teilen und kein Geld damit verdienen. Dies bringt mir zwar hier und da Nachteile respektive ausbleibende Vorteile, aber es ist mir lieber so. Es ist nun mal der Weg des darkIkarus.

Was haltet ihr von YouTube-Netzwerken, Comedy-Kanälen und der schleichenden Kommerzialisierung von YouTube? Gute Chancen für junge Künstler aufzusteigen und Fuß in der Branche zu fassen oder doch eher ein ausbeuterisches Triumvirat? Schreibt es in die Comments!

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4 Kommentare zu “Quo vadis, YouTube Deutschland?”

  1. Die hast bei deinen Ausführungen sicher bei ein paar Dingen recht. Bei ein paar allerdings nicht.
    Jede Firma – und das ist Mediakraft – will Geld verdienen. Und das macht sie am besten dadurch, dass sie bekannte You-Tube-Stars weiter ausbaut. Allerdings muss ich dir recht geben, dass diese Stars sich das erarbeitet haben und Mediakraft springt nur auf den fahrenden Zug. Die You-Tuber können sich allerdings durch diese Zusammenarbeit mit Mediakraft viel grössere Ausstattungen und grössere Drehs leisten. Das wiederum zieht neue Zuschauer. Und das wiederum generiert mehr Geld für Mediakraft, die es dann in die Stars von You-Tube steckt. (soweit die Theorie).
    Das ist das Business und man braucht es nicht schlecht zu machen. Das ist an sich positiv, wenn mehr Geld in teurere Produktionen mit besseren Content fliessen.

    Product Placement bei den You-Tube Stars: gehört mit dazu. Kein Film, keine Serie und kein Computer Spiel existiert ohne Product Placement. Damit finanziert man auch einen Teil seiner Ausgaben. Eine Win-Win-Situation für das werbende Unternehmen (es hat Aufmerksamkeit), für Mediakraft (mehr Geld) und damit auch für die You-Tube-Stars, die wie oben beschrieben somit auch mehr Geld erhalten.

    Werbung auf You-Tube: wir werden doch mit Werbung überschüttet und das auch auf You-Tube Werbung gibt ist kein neues Ding.
    Neu ist, dass es personalisiert wird und nur die Werbung gezeigt wird, die nicht weggeklickt wird. Es wird professionalisiert und daher steigen Firmen auf den fahrenden Zug.
    You-Tube ist eine Plattform und man kann dort genauso wie Facebook Geld verdienen. Es ist nur „natürlich“ das Firmen auf den Geschmack von You-Tube gekommen sind. Denn diese wollen ihre Werbung verkaufen und finden langsam keine neue Möglichkeit mehr.

    Ich finde, es sollte jeder das machen was man will. Wenn du es als Hobby machst, andere damit aber Geld verdienen soll es mir recht sein.
    Es ist wirklich soweit, dass es mir bald zu viel Werbung hat. Aber auf der anderen Seite, so oft hänge ich auch nicht bei You-Tube..
    Ich zappe damit diese Werbung aufhört. Mir gefällt sie nicht, aber ich kann es aus Sicht der Unternehmer verstehen Werbung zu schalten auf You-Tube.

    1. Ich frag mich halt, wieviel davon noch YOUTube ist, also dem ursprünglichen Konzept dieser Plattform entspricht. Es geht doch darum, selbst kreativ zu sein und nicht eine Firma hintendran zu haben, die für einen alles vorproduziert und bei der man nur noch ausführende Kraft ist.

      Product Placement in Computer- und Videospielen ist übrigens, abgesehen von den EA-Titeln, noch recht ungewöhnlich.
      Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Werbung an sich. Ich frage mich nur, ob bei vielen nicht bereits der psychologische Effekt eingesetzt hat, dass eine gedankliche Verschiebung stattgefunden hat. Was man zuvor als Hobby betrieb und aus Spaß an der Freude, macht man nach dessen Monetarisierung eben hauptsächlich des Geldes wegen. Der Spaß geht ein wenig darin unter. Ich befürchte dies zumindest, weshalb ich eben werbefrei bleibe, solange es mir ermöglicht wird. Wie andere das letztlich handhaben, kann mir im Prinzip egal sein, da hast du recht. Aber es schwingt halt ein besseres Gefühl mit, zu wissen, dass jemand sein Herzblut in etwas steckt. Und diese Leute unterstütze ich persönlich lieber als die, die eine große Firma im Hintergrund haben, die alles managet. Ich wollte eben mit diesem Eintrag hauptsächlich informieren, damit die Leute, die Entscheidung, ob sie sich etwas ansehen wollen, bewusst fällen können.

      Nicht zuletzt aber finde ich den Großteil dieser produzierten Videos einfach großen Rotz und ich kann über den Humor einfach nicht lachen. Wenn andere das können, bitte, es ist halt nicht mein Humor.

      1. Über einige Videos aus den Netzwerken kann ich auch nicht lachen. Und bei manchen verstehe ich nicht einmal, warum die so viele Klicks haben. Aber die Weiten des Internets sind tief, weit und unergründlich. 🙂

        Wahrscheinlich hast du recht, wenn man sein Hobby zum Beruf macht, dass etwas Spass weggeht.
        Fand deinen Beitrag aber wirklich gut, denn vieles was du geschrieben hast, war mir so nicht klar und bewusst.

        1. Immer wieder gerne. Genaueres weiß ich ja auch nicht, denn dafür müsste ich Mitglied eines Netzwerks sein. Dann dürfte ich aber wiederum nicht mehr drüber schreiben…

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