Dem Himmel entgegen

Während derzeit draußen ein weiterer Taifun tobt, erzähle ich euch von der großen Tour vergangenen Freitag. Da ging es nämlich zu dem Wahrzeichen Japans schlechthin: Dem Fuji.

Ob es nun Fuji, Fujisan oder Fujiyama heißt, will ich an dieser Stelle gar nicht weiter diskutieren und mich statdessen auf das Wesentliche konzentrieren. Donnerstag Abends sind Tago-san und ich losgefahren und nach einer längeren Fahrt mit kurzem Zwischenstopp und Nickerchen erreichten wir am nächsten Tag gegen 7 Uhr den per Auto höchstmöglich erreichbaren Ort auf einer Höhe von ca. 2100 Meter. Ab dann ging es zu Fuß nach und Nach bis an die Spitze des insgesamt 3776 m hohen Vulkan. Und es war anstrengender als ich zunächst dachte. Eine ganze Menge Leute stiegen mit uns auf, teilweise mit Sauerstofffläschchen ausgestattet. Diese konnte man auch an den Zwischenstationen erwerben, wenn man denn wollte. Ich entschied mich dagegen, was mir in höheren Lagen dann zwar ein paar Pausen mehr abverlangte, allerdings war ich doch ein wenig stolz, es am Ende ohne solcherlei Hilfsmittel geschafft zu haben.

Der Weg nach oben war nicht nur steil und felsig, sondern auch nicht gerade ungefährlich. Ein falscher Schritt kann dort schon fatal enden und man wundert sich, dass es nicht vermehrt zu Unfällen kommt.
Was auch auffällt: Je höher man stieg, desto höher wurden die Preise für Getränke und Essen an den Stationen. Kostete es weiter unten noch „humane“ 300 Yen wurden es später bis zu 600 Yen für ein simples Getränk. Die Toilettenpreise blieben mit 200 Yen jedoch stets gleich.

Nach gut 7 Stunden oben angekommen änderte sich das Wetter recht schnell. War es zunächst bewölkt bis heiter, fing es nun an heftigst zu regnen. Nichtsdestotrotz ließen wir es uns nicht nehmen den Krater einmal zu umrunden. Wer bislang dachte, der Gipfel des Fuji sei wie auf vielen Bildern dargestellt komplett flach hat sich das ganze noch nicht von Oben angesehen, denn dort ging es hoch und runter, teilweise recht steil. Es war schon eine einmalige Atmosphäre. Absolute Stille, um einen herum Nebel, weder Pflanzen noch Tiere, teilweise rot und gelb gefärbtes Gestein und neben einem der Krater, der einige hundert Meter nach unten ging bis er bei der Kaldera endete.
Dann begann auch schon der Abstieg, der zwar nur noch 4 Stunden dauerte, aber nicht minder anstrengend war. Zwar war der Weg sicherer, weil er hauptsächlich aus weicherer Erde und kleineren Steinen bestand, dennoch gab dieser meinen Schuhen endgültig den Rest, sodass ich sie nach meiner Rückkehr am Samstag Abend sofort in die Tonne kloppen konnte. Doch bis es soweit war, verbrachten wir erstmal die Nacht im Ryokan und entspannten uns im internen Onsen.

Am nächsten Morgen gab es dann ein typisch japanisches Frühstück mit Reis, Sprossen, Tsukemono und natürlich rohem Ei. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass man rohes Ei in den noch heißen Reis schlägt und es so zumindest etwas anbackt, jedoch war der Reis bereits lauwarm, sodass es etwas gewöhnungsbedürftig war, die glibberige Masse zu verzehren.
Dies hinter mich gebracht, planten wir den Rest des Tages, denn wir wollten erst wieder Abends zurückkehren, da die Autobahn dann billiger ist. Also zur ersten Station, die ganz in der Nähe lag: Das Washi Sato. Hier konnten wir selbst Papier schöpfen und gestalten. Nichts besonderes einerseits, da ich das bereits einmal im Landesmuseum in Mannheim gemacht hatte, doch andererseits find ich japanisches Papier unglaublich hübsch mit den langen Fasern darin, die am Ende durchscheinen. Mein fertiges Werk habe ich am Ende Tago-san zur Erinnerung geschenkt.

Nächster Halt war der Crafts Park am Fujigawa, den man sich ein wenig wie unsere Bundesgartenschau vorstellen kann. Jedenfalls gab es umgeben von Grün und (japanischen) Gärten einige Attraktionen wie das Heckenlabyrinth oder der Kletterpfad, doch Hauptaugenmerk lag auf verschiedenen Handwerken wie der Herstellung von Siegeln, Holzrahmen und Töpferwerken. Daneben gab es auch Museen. Hierbei interessierten uns vor allem die Scherenschnittwerke, moderner Künstler – leider durfte ich dort keine Fotos machen. Besonders faszinierend waren die Bilder einer Künstlerin, die bei Tageslicht etwas völlig anderes zeigten als bei Dunkelheit und Hintergrundbeleuchtung des Bildes. Es ist etwas schwer zu beschreiben, aber wir waren doch sehr fasziniert.

Und weiter ging’s zum Kuonji auf dem Minobuyama. Ein weiterer Tempel einerseits, doch die Umgebung und die Lage darin machten ihn doch zu etwas Besonderem. Das fing schon damit an, dass man 287 Stufen bewältigen musste, bevor man das Hauptgebäude und die Schatzkammer zu Gesicht bekam. In letzterer durfte ich leider nur in der Eingangshalle Fotos machen. Wobei ich nicht weiß, wie sehr euch nun die Schriften und Schmuckkästchen Tokugawa Ieyasus interessiert hätten…

Letzter Attraktionspunkt war dann das Goldwaschen am Fujigawa und ich muss sagen, dass ich ein miserabler Goldsucher wäre. Nach etwa einer halben stunde hatte ich endlich drei Winzkrümel aus der Brühe gefischt, während Tago-san da schon erfolgreicher war. Am Ende haben mir die Betreiber des Ganzen nochmal geholfen und so konnte ich zumindest ein paar Bröckchen mehr in einer Glasröhre nach Hause nehmen.

Nun war es aber Zeit für den Heimweg. Eine weitere lange Fahrt stand bevor, die nur von einem Zwischenhalt in Fuji no Miya unterbrochen wurde, wo wir die berühmten Yaki Soba genossen. Beim Verlassen des Ladens sollten wir dann noch was ins Gästebuch schreiben und bekamen ein Gedicht mit, das ich für alle, die es interessiert, unter den Fotos zitieren werde. Etwa 1 Uhr Nachts dann kam ich am Wohnheim an – erschöpft, aber glücklich – und konnte mich endlich der Schuhe entledigen. Nun bleibt mir noch ein Paar… mal schauen, wie lange es überlebt.

笑顔十徳
一、笑顔はあなたの愛情を相手に伝える
一、笑顔は天性を待ち相手の快感を増大させる
一、笑顔は相手の心の門を開く
一、笑顔は信頼関係の第一歩である
一、笑顔は悲しみや不安を取り除く
一、笑顔は相手の笑顔を洞察することができる
一、笑顔はコンプレックスを取り除く
一、笑顔の赤ちゃんは最も美しい
一、笑顔は無尽無心を生む
一、笑顔は健康を増進させる

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3 Kommentare zu „Dem Himmel entgegen“

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