Von der brütenden Hitze zum Götterwind

Diese Woche besitze ich die Dreistigkeit mich nicht wie sonst pünktlich spätestens zum Wochenende zu melden. Der Grund? Es ist langes Wochenende gewesen, weil heute Umi no hi (Meerestag), ein nationaler Feiertag hier, ist. Und genau an eben diesem Tag habe ich mal wieder meine Gastfamilie besucht. Doch mehr dazu gleich, zunächst zum Freitag…

Da habe ich nämlich nochmal eine ordentliche Abschiedsparty von meinem alten Deutschkurs gehabt. Es ging in ein recht feines Restaurant, wo neben einer Menge gutem Essen auch Nômi hôdai – die feinere, japanische Variante von Flatratesaufen – angesagt war. Ich fand es echt nett, dass ich von meinen „Schülern“ eingeladen wurde. Und es kam noch besser: Es gab Geschenke für uns (Freya, die den anderen Deutschkurs leitete und mich). Während sie einen wirklich hübschen Yukata bekam, gab’s für mich einen Jinbei, den wir jeweils sofort anziehen sollten und mit dem wir dann auch zurück nach Tsu gefahren sind. Ich habe mich selbstredend riesig gefreut, da ich ohnehin selbst nach sowas noch Ausschau halten wollte, das kann ich mir jetzt sparen. Nun fehlen nur noch die passenden Schuhe, denn mit meinen Turnschuhen sah das etwas… ungewöhnlich aus… Entsprechende Bilder gibt’s unten.

Noch zu Kurznotizen, bevor ich zum heutigen Tag komme:
> Noemi hat am vergangenen Sonntag auch ihre Sayonara-Party hinter sich gebracht, schon bald wird sie wieder in Deutschland ein. Ich wünsche alles Gute.
> Ich habe endlich Ôkamiden durchgespielt. Kurzfazit: Insgesamt nicht so gut wie der wirklich tolle erste Teil, was an der schwachen Technik des DS liegt, der bei der hübschen Grafik der ohnehin schon kleiner eingeteilten Gebiete zu Slowdowns neigt. Auch die Story ist nicht ganz so interessant, dafür liegt der Fokus doch deutlich auf den Dungeons. Dennoch hat das Spiel einen Stein bei mir im Brett für eine wirklich geniale Parodie auf Murasaki Shikibu und das Genji monogatari: Man trifft im Spiel genannte Autorin deren Kreation Genji sich selbstständig gemacht hat und mal eben die Partnerin des Hauptcharakters entführt. Warum kann sich wohl jeder denken, der ein bisschen über das Werk weiß – wer keine Ahnung hat, klickt entsprechenden Link. Als dieser letzlich nach einer längeren Jagd gestellt wird, löscht Shikibu ihn mit einem Pinsel aus mit den Worten: „Ich wollte den perfekten Mann erschaffen und heraus kam dieser Schwerenöter. Naja, es kann wohl nicht alles was man schreibt ein Meisterwek werden…“ Japanologen dürften jetzt zumindest schmunzeln.
> Samstag habe ich im Zug drei Schüler (vermutlich um die 12 Jahre alt) getroffen, die wild gestikuliert hatten und ich war fasziniert, wie sie sich die ganze Zeit nur in Gebärdensprache unterhielten. Ich nehme an, sie waren taub oder fast. Der eine hatte zumindest zwei Hörgeräte auf den Ohren sitzen. Vielleicht sollte ich mal irgendwann in Betracht ziehen sowas zu lernen…
> Am Samstagabend war dann auch unser abgesprochenes internationales Kochtreffen (国際料理会). Natürlich musste es so kommen, dass ich mir mit dem Küchenmesser den Salat zerkleinernd in den Finger säbel. Ja, japanische Messer sind wahrlich scharf… Was es ansonsten Leckeres gab, könnt ihr in den Bildern sehen.
> Und last but not least hat Tobi heute (hier ist schon Dienstag) Geburtstag, daher von mir Herzlichen Glückwunsch!

Nun aber zum vergangenen Tag. Es ging nämlich diesmal zum Haus der Eltern meiner Gastfamilie, welches genau so ist, wie man sich traditionelle, japanische Hütten vorstellt. Dort gab es erstmal ein leckeres BBQ – wer’s nicht glaubt soll sich selbst ein Bild machen. Danach ging es erstmal auf einen kleinen Spaziergang durch die wirklich hübsche Umgebung von Wald, Bergen und Reisfeldern. Nachdem ich eine Weile umhergeirrt bin (ich bin alleine losgezogen) habe ich am Ende doch wieder zurück gefunden – gelobt sei mein guter Orientierungssinn! Weil ich irgendwann mal erwähnt hatte (es muss wohl beim letzten Treffen gewesen sein), dass deutscher Eiskaffee anders als japanischer nicht mit Eiswürfeln sondern Eiscreme gemacht wird, beschloss meine Gastmutter das eben mal auszuprobieren und war tatsächlich ganz angetan.

Die Hauptattraktion folgte aber danach: Nagashi Sômen. Hierbei wird genannte Nudelsorte ein Bambusrohr runtergespült, um das alle mit einer Saucenschale in der Hand herumsitzen und mit Stäbchen nach den vorbeigespülten Nudeln grabschen. Die nichtgefangenen landen in einem Korb am anderen Ende und werden wieder von Oben eingeworfen. Definitiv ein Spaß, wenn auch mit Wasserverschwendung verbunden. De facto wurde am Ende allerdings alles mögliche an Nudeln (Soba, Udon) runtergelassen.
Zum Nachtisch gab’s dann Melone. Netzmelone! Warum das erwähnenswert ist? Na weil die Dinger hier um die 3000 Yen das Stück kosten und teilweise in Geschenkpapier eingewickelt verkauft werden und vier davon serviert wurden. Eine fünfte durfte ich am Ende mitnehmen, was ich mehr als großzügig fand. Lecker sind die Dinger auf alle Fälle!
Am Ende wurde es dann nochmal etwas wilder, denn ein weiterer Taifun, der zweite den ich miterlebe, ist im Anmarsch. Das heißt zwar einerseits ein Ende der Hitze für’s erste, aber dementsprechend wird man auf andere Weise klitschnass.

Das war’s für diesmal. Sorry für den langen Text, dafür gibt’s auch wieder einige Bilder. Ich melde mich wieder.

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4 Kommentare zu “Von der brütenden Hitze zum Götterwind”

  1. Es gibt interessanterweise mehrere Gebärdensprachen. Die in Japan gängige 日本手話 kann auch hier in Deutschland gelernt werden. Ich war mal einem Treffen von Gebärdensprache-Dolmetschern in Tôkyô (it’s a long story) und hatte mich da mit einem Deutschen unterhalten, der zwar taub ist, jedoch die Lippenbewegungen im Deutschen UND im Japanischen ablesen konnte um dann erfolgreich in die jeweilige Gebärdensprache zu übersetzen. Ziemlich stark ^^

    Falls Du da Versuche in die Richtung machen willst, gib Bescheid. Ich mach mit 😉

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