Ein Stück Heimat

Am gestrigen Tage stand endlich die vorher angekündigte Tour in die Präfektur Shiga an, die, genau wie ich es befürchtet hatte, wie eine typische japanische Touristentour verlief: Viel Freizeit zum Selberschauen gab es nicht, stattdessen wurden wir von einem zum nächsten Ort per Bus gekarrt um uns die Sache dann kurz anzugucken und danach direkt weitergejagt.

So machten wir zunächst am Tarôbôgû halt. Ein schöner Schrein muss ich sagen, der teilweise in die Felswand gehauen wurde. Gerne hätte ich mir alles genauer angesehen, doch die Verweildauer war kurz, es gab schließlich einen Tagesplan zu erfüllen, also weiter…
Danach ging es nach Nagahama. Eine Stadt, die für ihre Glaskunst bekannt ist und direkt am Biwako liegt. Beides hätte ich mir nur zu gerne angesehen. Statdessen gab es dort ein nicht allzu üppiges Essen in einem Speisesaal (immerhin umsonst) und danach zum Figurenmuseum. An dieser Stelle habe ich schon fast verflucht mitgegangen zu sein, denn das war wirklich mehr stressig als lohnend, aber naja, es war umsonst. Und das Highlight sollte noch kommen…

ブルメの丘 (Burume no oka) nannte sich der Ort. Über dem Eingangstor stand auf Deutsch „Blumen Hügel“ (man beachte den Leerstellenfehler). Nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich gleich erwarten sollte. Wir gingen rein und sofort kam mir alles merkwürdig vor. Alles war in europäischem Stil gehalten. Die Wege, die Statuen, Brunnen, ja sogar Bäume wie Linden, die ich sonst noch nirgends hier gesehen habe standen da. Wenige Meter weiter kamen wir dann in das „deutsche Dorf“. Es war wirklich interessant zu sehen, welche Vorstellung Japaner von Deutschland haben und in der Tat hätte das ein kleines Kaff irgendwo in der Pfalz sein können. Das Beste kam dann aber als wir in Gruppen aufgeteilt, in zwei verschiedene Gebäude gingen. Die andere Gruppe hat dort, wie ich später erfuhr Brot gebacken. Und wir? Wir durften Bratwürstchen machen. Kein Witz! Wir haben Hackfleisch gewürzt, geknetet und in Därme gefüllt. Später durften wir die dann essen und den rest nach Hause nehmen. Großartig! Alle deutschen Klischees in einem kleinen Dorf. Naja, immerhin hatte ich die Gelegenheit deutsches Bier zu kaufen. Ich hatte schon fast vergessen, wie ein gutes Gebräu schmeckt…

Ich weiß nicht, ob ich den Besuch als nette Diskriminierung durch Reduzierung auf die hier üblich erwähnte „Wurst, Bier und Fußball„-Meinung sehen soll oder es einfach nur als Teil der Faszination der Japaner für Europa betrachte. In beiden Fällen bleibt: Sie wissen es eben nicht besser. Zumindest die meisten.

Das war eigentlich auch schon das Ende der Tour. Es ging zurück zur Mie Daigaku und im Wohnheim haben wir dann noch ne fröhliche Party mit Bratwurst und deutschem Bier gefeiert. Ende.

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4 Kommentare zu “Ein Stück Heimat”

  1. Von dem Dorf hatte ich schon gehört. Allerdings dachte ich, dass es irgendwo in den Nihon no Arupusu liegt. Kann aber auch sein, dass es mehrere dieser „Wir wollen ned weg, deswegen holen wir das Ausland zu uns“-Stätten gibt. Wenn ich mich richtig entsinne, wurden die auch ne Zeitlang von der jap. Regierung unterstützt um eben diese „kokusaika“ voranzutreiben.

  2. Da gibt es mehrere Dörfer dieser Art in Japan. Sie alle gehören zur Farm Cooperation.
    Ja, am Anfang wurde der Bau dieser Parks vom Staat Japan unterstützt, besonders in der Hinsicht für ältere Menschen einen Arbeitsplatz zu schaffen.
    Scheint dort sehr wenig los zu sein? Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo dort 30.000 Menschen an einem Tag dort waren

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