Brennpunkt: Japan // zuletzt upgedatet: 17.3. 11:50

Erdbeben in Japan: Stärke 8,9. Tsunami-Warnung, alle Häfen geschlossen… Was einem Studenten, der etwa eine Woche vor Antritt seines Auslandssemesters in Japan steht da durch den Kopf geht, dürfte klar sein: Na, toll…
Ich erwähnte ja bereits einmal, dass ich keine Newsseite bin und ihr ohnehin auf den gängigen Nachrichtenportalen besser informiert werdet. Dennoch schneide ich dieses Thema nun an und werde meine Gedanken hierzu schildern.

Wie ihr auf der Karte sehen könnt, hat das Beben zwar im Norden in der Tôhôku– und östlichen Kantô-Region den größten Schaden angerichtet, doch für die gesamte Ostküste bis nach Kyûshû gilt Tsunami-Warnung. Ebenso für die Ise-Bucht (orangener Bereich in der Mitte), wo meine Austausch-Uni liegt. Zu allem Überfluss liegt die auch noch direkt am Meer. Ob dort Schäden entstanden sind und ob ich wie geplant am 21. fliegen kann, kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Kontakt zu meinen dortigen Kommilitonen ist derzeit nicht möglich, aber ich werde euch auf dem laufenden halten, sobald ich mehr weiß und diesen Eintrag updaten.

Besondere Sorgen gelten meinem Kommilitonen in Sendai, das laut Berichten in völliger Zerstörung liegt.

UPDATE: Anscheinend ist die erwartete Welle in den Gebieten südlich von Tôkyô ausgeblieben, die Tsunamiwarnung wurde aufgehoben. Erleichterung auf der einen Seite… auf der anderen Seite habe ich noch keine Meldung von meinem Kommilitonen aus Sendai erhalten. Beunruhigend…

Auch war das nur der bisherige Höhepunkt einer Serie mehrerer Erdbeben in der letzten Zeit und es wird sicher nicht das letzte sein. Wer weiß ob, wieviele und wie starke Erdbeben ich erleben werde, wenn ich dort bin. Etwas gespannt und verunsichert erwarte ich die nächsten Monate.

UPDATE 2: Anscheinend ist das Reaktorproblem größer als angenommen, es droht vielleicht sogar eine Kernschmelze. Wenn dieser Fall eintritt, ist eine großräumige Verseuchung sehr wahrscheinlich und dann betrifft dies auch das Gebiet, in das ich (noch) nächste Woche zu reisen plane. Ich hoffe, dass innerhalb der nächsten 9 Tage positive Nachrichten diesbezüglich kommen.

UPDATE 3: Das Kraftwerk wird nun mit Meerwasser gekühlt. Inwiefern das die Bedrohung mindert, wurde aber nicht bekannt gegeben. Von meinem Kommilitonen in Sendai kam noch keine Meldung. Es heißt weiter bangen, ohne in blinde Panik zu verfallen, denn momentan kann man nichts machen, außer die Geschehnisse zu beobachten. Meine Japanreise? Hoffentlich, aber sicher ist derzeit nichts.

UPDATE 4: Nachdem das Kühlsystems eines zweiten Reaktors des Kraftwerks Fukushima ausgefallen ist, rät das auswärtige Amt auch zur Ausreise aus dem Gebiet Tôkyô / Yokohama und ein paar meiner Kommilitonen  dort haben dies auch vor. Weiterhin Unsicherheit herrscht, jedoch noch keinen eindeutigen Grund zur Ausreise herrscht bei den Leuten im Kansai-Gebiet, in das ich auch zu reisen plane. Ich hoffe, dass ich diesbezüglich bald eine eindeutige Empfehlung habe.

UPDATE 5: Soeben habe ich Mitteilung von meinem Kommilitonen in Sendai erhalten. Anscheinend geht es ihm soweit gut und er ist grade bemüht, das Land zu verlassen. Dies haben auch viele meiner Kommilitonen in Gang gesetzt. Die meisten Leute sind auf dem Weg oder fliegen im Laufe der nächsten Tage zurück, andere haben sich in Richtung Kansai abgesetzt. Ich bin gespannt, wie die Sache weitergeht, ob ich hinfliegen werde und wenn, wer dann noch da sein wird. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

UPDATE 6: Ich habe nun Antwort von meinen Dozenten erhalten und laut denen, sowie laut Information meiner Kommilitonen in Kansai ist es dort (vorläufig) sicher. Es gibt derzeit noch keinen Grund, weshalb ich nun alles abblasen sollte bzw. ist das meine alleinige Entscheidung und die werde ich Ende der Woche fällen.
Währenddessen kehrt ein Großteil meiner Kommilitonen wieder nach Deutschland zurück, häufig auf Druck der Angehörigen. Wohlmöglich werden sie zurückkehren, sobald sich die Lage entspannt hat. Wie das bei mir aussieht, ist fraglich. Ein eindeutiges „Nein, du sollst auf keinen Fall fliegen“, habe ich bislang nicht gehört, doch wächst die Sorge und Ende der Woche wird die Sachlage – auf die ein oder andere Weise – sicher anders aussehen.

Unterdessen wird in Deutschland plötzlich wieder über die Sicherheit von Atomreaktoren spekuliert. Dabei hieß es vor ein paar Monaten noch: Unsere AKWs sind sicher! Eine jetzige Neuprüfung der Meiler sowie die anstehende Rücknahme der Laufzeitverlängerung lässt da gewichtige Zweifel aufkommen. Auch wird das großen Einfluss auf die baldigen Landtagswahlen nehmen. Aus meiner Sicht: Hoffentlich! Und zwar in dem Sinne, dass die Menschen hoffentlich selbst nachdenken und sich nicht jeden Quatsch von ihren Politikern auftischen lassen.

UPDATE 7: Inzwischen sind viele meiner Kommilitonen zurück oder gerade unterwegs. Ich hoffe, sie die Woche noch begrüßen zu können. Meine Entscheidung wird indes immer schwerer angesichts der weiter angespannten Lage und der Besorgtheit meiner Angehörigen…

Bonus: Grasshopper Manufacture bieten auf ihrer Facebook-Seite drei Songs kostenlos zum Download an zur Ehrung der Erdbebenopfer. Zwei der Werke stammen aus der Feder von Silent Hill-Komponist Yamaoka Akira.

Bonus 2: Im Appstore gibt es jetzt Street Fighter IV für 0,79€. Der Erlös geht komplett an die Erdbebenopfer in Japan. Square Enix spendete unterdessen 100 Millionen Yen an das Japanische Rote Kreuz.

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3 Kommentare zu “Brennpunkt: Japan // zuletzt upgedatet: 17.3. 11:50”

  1. krass!

    hoffentlich kannst du alles so kurzfristig noch umbuchen?

    besser du wartest wirklich auf eine eindeutige empfehlung ab, ob du das auslandssemester geplant beginnen kannst oder nicht … an einem normalzustand ist ja in diesem land aktuell verständlicherweise gar nicht zu denken!

    lg
    qubop

  2. Ahh, das ist gut – dein Kommilitione ist in Sicherheit. 🙂
    Anscheinend scheint das Netz dort auch noch gut zu funktionieren.
    Fragt sich nur, wann er das Land verlassen kann und ob du dahin fliegen kannst bzw. möchtest. Wohin tendierst du denn gerade eher?

  3. In Sendai selbst funktioniert gar nichts. Er ist nach Sakata abgewandert, welches an der Küste gegenüber liegt.

    Ob ich nächste Woche fliegen werde, hängt davon ab, wie es am Freitag aussieht und wie die offiziellen Reiseempfehlungen für Kansai aussehen sowie was unser Institut beschließt. Ich werde euch auf jeden Fall im Laufe des Tages in einem weiteren Update informieren.

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