Randgruppenthemen für alle!

Wie wagt man sich an Themen ran, die eventuell Blogleser abschrecken könnten? Ich kam zu dem Schluss: Einfach grade raus. Wer’s nicht lesen will, muss es nicht. Und so versuche ich nun – und auch in Zukunft – Themen aufzugreifen, die im allgemeinen Volkskanon eher untergehen oder nur einseitig beleuchtet werden. Themenvorschläge für weitere Einträge sind immer willkommen.

Also nun zum heutigen Thema: Homosexualität. Zunächst einmal finde ich es interessant, wie verschiedene Menschen in verschiedener Weise auf dieses Wort reagieren. Jeder Einzelne hat aber ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn er daran denkt. Allgemein würde ich dieses mal so einschätzen: Als erstes kommen einem männliche Homosexuelle mit allen gängigen Klischees in den Sinn. Also ungefähr so:

(Nebenbei bemerkt ein fast ekelhaft penetranter Ohrwurm)

Die Leute, die dieses Bild für real halten, haben wohl nichts mit Schwulen zu tun und wollen dies auch meist nicht. Dabei ist es auch nicht einfach darüber in vernünftiger Weise zu reden. Zumindest zu meiner Schulzeit hatte ich praktisch niemandem in meinem engeren Bekanntenkreis, der homosexuell war. Weder lesbisch noch schwul. Aber es ist auch eine schwierige Zeit und die Wahrscheinlichkeit, auf Ablehnung zu stoßen, ist groß.
Anders scheint das auf der Uni zu sein. Seit ich 2008 damit begann, habe ich recht schnell Bekanntschaften mit allen möglichen sexuellen Orientierungen gemacht. Die Grenzen verwischen, es schockiert niemanden, wenn man sagt, man sei schwul / lesbsich / bi. Eine Entwicklung, die ich mir auch für das Restvolk wünschen würde. Denn hier frage ich mich: Hat Akzeptanz denn etwas mit dem Bildungsgrad zu tun? Hatte ich einfach nur einen Studiengang getroffen, in dem die Kommilitonen überdurchschnittliche Toleranz zeigen? Das sind Fragen, die ich gerne an euch, meine Leser richten würde. Was sind eure Erfahrungen mit Homo- oder Bisexualität? Schreibt’s in die Comments.

Hier habe ich btw noch einen Lehrfilm gefunden:

Was haltet ihr davon? Trifft das eurer Erfahrung nach zu?

Zum Schluss noch zu den Klischees: Ich habe noch niemanden kennengelernt, der dem Bild so komplett entspricht. Natürlich gibt es Leute mit tuckigem Verhalten, aber die sind wohl in der Minderheit. Wobei ich mich hier wiederum frage, warum sich diese Leute so benehmen, denn bei aller Toleranz finde ich das Verhalten ebenso peinlich wie ein Heterosexueller, der raushängen lassen muss, wie männlich er doch ist. Soweit meine Sicht, ich würde mich über eine farbenfrohe Diskussion freuen.

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12 Kommentare zu „Randgruppenthemen für alle!“

  1. Komisch, ich denke bei Homosexualität nicht an einen klischeebehafteten Schwulen, sondern eher an stinknormale Männer.

    Getroffen habe ich noch keinen – liegt aber auch daran, dass ich mich hier noch fast ausschließlich in der Umgebung von Schulen aufhalte. Also Orten, in der Jugendliche sich bevorzugt aufhalten, denen deren Ansehen wichtiger ist, als Toleranz und Ehrlichkeit. Aber hey, auch wenn ich der mit Abstand älteste Junge in meiner Klasse von Auszubildenden bin und gerne die anderen als Kindergarten beschimpfe, so lerne ich ja durch die Praxis, in der ich mich befinde, auch mal andere Arten von Menschen kennen.
    Ich selber finde Homosexualität ist keine Schande und ich würde einen Homosexuellen auch nicht anders behandeln als andere. Ich könnte sie mir sogar als gute Freunde vorstellen.

  2. Hallo,

    als direkt Betroffener (wie das schon klingt *g*) kann ich dir nur zu deinem Beitrag gratulieren!

    Ich will’s mal so sagen – die Sexualität ist schon ein wichtiger Teil einer Persönlichkeit, ist aber wie gesagt nur ein TEIL. Viele Heterosexuelle haben das Bild eines Schwulen im Kopf, der sich nur über seine Sexualität definiert, überall tuckig herumhüpft und jeden den er trifft wissen lassen möchte, dass er „anders“ ist.

    Mitnichten. Natürlich gibts einige Szeneleute, die das gerne machen, aber die kann man wohl nicht ernst nehmen (genausowenig wie Heteros, die sich alle 5 Minuten an den Schritt packen und ihrer „Schnalle“ sagen, wo der Hase lang läuft).

    Ich geb’s zu: Stereotypen sind oft wichtig, denn in Schubladen fühlt sich der Mensch oft wohl, da er weiß wo er „hingehört“. Aber man muss das ja nicht in allen Bereichen konsequent ausführen 😉

    Behandelt schwule Leute so wie alle anderen auch, und gut ist.

    Und, aja: wir taxieren NICHT jeden Mann sexuell, der nicht bei drei auf dem Baum ist … also kriegt keine Panik, wenn ihr euch mal mit Schwulen unterhält. Wir sind ja keine Schimpansen oder so 😀

  3. Vielen Dank für die grundsätzlich positive Reaktion. Eine Diskussion ist das zwar noch nicht, doch ist es mal schön hierzu verschiedene Ansichten meiner Leser zu erfahren. Weitere, auch gerne kritische Meinungen sind herzlich willkommen.

  4. Also die Videos sind echt witzig. Das erste ist ein Ohrwurm, dass zweite nimmt sich dem Thema einmal etwas humorvoller an.
    Zum Thema Klischees möchte ich Folgendes los werden: Nur weil jemand einem Klischee entspricht, sehr tuntig und / oder feminin ist, ist das noch lange kein Grund, ihn zu diskriminieren. Das gilt natürlich auch für Lesben, die der Kategorie männlich, Kampf-, oder ähnliches zugeordnet werden könnte. Es gilt für alle, ob Homo-, Bi-, Transsexuell, oder irgendetwas dazwischen.
    Ich musste leider feststellen, dass auch innerhalb der Gay-Community alles feminine und transige von vielen diskriminiert wird.
    Auch ist sowas nicht unbedingt Getue. Die Leute sollen einfach so leben, wie sie sind.

    1. Man muss da abgrenzen, was das natürliche Verhalten ist (ich denke jeder hat so seine weibliche Seite und benimmt sich hier und da ein wenig „tuckig“, der eine mehr, der andere weniger) und wirklich künstliches Rumgetucke. Während ich ersteres durchaus ein bisschen niedlich finde, nervt mich letzteres kolossal. Wie gesagt, das Gleiche gilt für Heteros, die zwangsweise den Macho raushängen lassen müssen. Ich mag da eher Menschen, die sich natürlich geben. Jeder soll leben wie er es für richtig hält und wenn einige meinen, Nuttenstengel mit gebrochenem Handgelenk zu rauchen, eine Federboa tragen und jedem auf die Nase binden, wie toll es doch sei, schwul zu sein, dann ist das völlig in Ordnung. Aber ich finde halt solche Leute in der Regel auch eher unangenehm und ich könnte mich sicher mit so jemandem mal unterhalten, aber glaube nicht, dass ich mit so jemandem enger befreundet sein könnte. Wenn das im Rahmen eines Gags passiert, ist das natürlich was anderes. Wie gesagt: Alles kontextabhängig.
      Ich weiß nicht, ob das schon als Diskrimminierung zählt, ich würde eher sagen, dass man sich lieber mit Leuten umgibt, die einem ähnlich sind. Und mit den einen kommt man besser klar als mit den anderen. Das ist völlig unabhängig von sexueller Orientierung.

      1. Solange du jeden so sein lässt wie er will ist das meiner Meinung nach völlig OK. Man muss ja nicht gleich jeden Typ Mensch lieben und sich mit jedem befreunden.
        Ich versuche einfach, auf jeden Menschen offen und freundlich zu zugehen, ob ich ihn oder sie dann leiden kann oder nicht ist ja noch eine andere Geschichte…

        1. Das ist dann auch völlig in Ordnung. Nur einige, die sich sehr für Political Correctness einsetzen verwechseln Toleranz mit „mit jedem klarkommen“. Ich lasse jeden wie er ist und kann mit verschiedenen Menschen umgehen, aber ich muss sie nicht in meinen engeren Kreis aufnehmen. Wenn man sich nicht versteht, dann ist das halt so. Bei einigen Menschen sehe ich leider die gleiche Gefahr wie bei radikalen Feministinnen, die auch auf die Barrikaden gehen, sobald man Kritik an einer Frau äußert, ohne dass dies zwangsläufig mit ihrem Geschlecht zu tun hat. Jeder muss sich Kritik gefallen lassen und über alles muss sich diskutieren lassen.
          Ansonsten folge ich der Maxime, dass sich Verhalten und Ansichten kritisieren lassen, aber nicht das, was Menschen sind.

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