The Endlight – Kapitel 1

Da ist er nun also, der erste Beitrag zur Leser-Mitmach-Story, stammend von Lord der Finsternis bzw. Lord Previous. Weiter unten gibt es dann die Fortsetzung der Rahmenhandlung aus meiner Feder. Weitere Gastbeiträge sind immer gern gesehen, also macht mit!

1. Dezember 20XX – noch 32 Tage

Es war noch pechschwarze Nacht, als mein Wecker sein nervtötendes Gebimmel von sich gab. Nur zu gern hätte ich mich wieder umgedreht und weitergepennt. Doch es hilft nichts, wer Geld haben will, muss arbeiten und wer arbeiten will muss aufstehen. Also quälte ich mich aus der Kiste und schleppte mich ins Bad. Mein Schädel brummte, ich hätte am Vorabend doch nicht mehr weggehen sollen. Aber das denke ich ja immer im Nachhinein. Lass dich von deinen Kumpeln nicht immer zu so einem Unsinn überreden. Klappen tut das aber dann doch nie. Jedenfalls war ich nach einer unfreiwillig kalten Dusche schließlich doch irgendwie wach. Aus dem Kühlschrank fischte ich ein paar alte Spaghetti mit irgendeiner undefinierbaren Soße und würgte sie runter. Lecker Frühstück, buärgh. Und ab raus aus der Bude. Es war immer noch tiefschwarze Nacht und die Straßenlaternen brannten schon seit letztem Jahr nicht mehr. Dabei hatten wir doch schon wieder Dezember!

Ich schwang mich auf mein altes Mofa und brachte es mit lautem Stottern und Röcheln in Fahrt. Bald darauf – meine Finger waren schon steif gefroren – kam ich auch schon in der Fabrik an. Aber irgendwas stimmte nicht. Überall standen Polizeiwägen und tauchten alles in blaues Licht. Zwei Sanitäter lehnten an einem Rettungswagen. Offenbar hatte es in der Nachtschicht irgendwie Ärger gegeben, einer meiner Kollegen, man sagte mir nicht wer, war tot. Aber darum soll es hier nicht gehen. Hauptsache war, dass man uns den Tag frei gab weil sie die Halle gesperrt hatten und wir so ja nicht arbeiten konnten. Das Ganze war natürlich eine Tragödie, das würde sicher wieder Unsummen kosten. Mir jedoch konnte das egal sein, ein zusätzlicher Tag bezahlten Urlaubs war mir durchaus recht. Also schwang ich mich wieder aus mein rostiges Pferd und brauste davon. Wieder Heim und ins Bett? Nee, jetzt war ich schon wach, da konnte ich auch was unternehmen.

Zuerst landete ich in einem schäbigen kleinen Café. Die hatten durchgehend geöffnet. Alle anderen Kaffeestuben und Kneipen und Bars und Wurstständchen und Wasauchimmers würden erst in ein paar Stunden aufmachen. Ich kam oft hierher, auch wenn der Kaffee grauenhaft war. Mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Wenigstens war er auch billig. Dazu ein Stück alten Kuchen und das zweite Frühstück war gegessen. Nachdem ich also wieder Kraft getankt hatte, konnte es weitergehen. Zudem würde die kalte Luft vielleicht der Übelkeit entgegenwirken.

Bei meinem Rundgang durch die Stadt viel mir auch wieder ein, wieso ich sowas schon so lange nicht mehr getan hatte. Es war schlichtweg deprimierend, öde und dreckig. Alles war verlottert und schäbig, selbst das neue Kaufhaus, welches sie erst vor fünf Jahren eröffnet hatten. Irgendwie wollte das Kaff einfach nicht aufblühen, niemand kümmerte sich darum, weder der Bürgermeister noch der Stadtrat noch irgendwelche geldhungrigen Financiers. Alles ging nur immer weiter den Bach runter. Dabei war die Stadt durchaus belebt, selbst in dieser Frühe, die ersten Läden öffneten gerade die Pforten, da war die Fußgängerzone bereits voller Leben. Menschen die einkauften oder in Schaufenster glotzten, Bettler… und einer dieser obligatorischen Weltuntergangspropheten. Die gab es nun wirklich überall. Und jedes Jahr verkündeten sie aufs Neue den Weltuntergang zum Jahreswechsel. Und jedes Jahr wurden wir eines besseren belehrt. Oder vielleicht auch nicht, vielleicht ging die Welt tatsächlich jedes Jahr unter und wir merkten in unserer Lethargie nur einfach nichts davon. Die Welt ging unter und wir lebten einfach weiter. Nun, zumindest in dieser Stadt war das wohl ganz sicher der Fall. Von Jahr zu Jahr wurde es immer schäbiger – Aber das hatten wir schon. Jedenfalls musste ich hier weg, das Elend wollte ich mir nicht länger antun.

Doch weit würde ich so nicht kommen. Der Tank meines klapprigen Luxusfahrrads war leer und für neuen Sprit brauchte ich erst mal Geld und für Geld musste ich zunächst mal zur Bank und um dort hinzukommen musste ich quer durch die verlotterte, versiffte Innenstadt. Na wunderbar. Ein Sprung ins kalte Wasser um dem Meer zu entkommen. Also lasst uns den Teil einfach überspringen, davon haben wir schon mehr als genug gehabt.

Ein paar stundenlange Minuten später betrat ich endlich die Bank und war erleichtert, nicht allzu viele Menschen vorzufinden. Nur vier Leute standen vor mir an der Schlange beim Geldautomaten. Es würde also schnell gehen und ich wäre bald wieder draußen – zumindest dachte ich das in diesem Moment noch. Aber ich sollte eines besseren belehrt werden, denn die Welt ist unberechenbar. Nur noch einer vor mir, gleich wär ich durch. Doch dann musste dieser Kerl auftauchen. Ihr könnt euch sicher denken, was jetzt kam: Ein Banküberfall. Das Letzte, was ich gerade brauchen konnte. Dieser Typ ging schnurstracks  zu den Schaltern, wo er gleich seine Knarre zog, irgendwas von einer Bombe faselte und das ganze Geld wollte. Das übliche eben. Nur mit mir hatte es sicher nicht gerechnet. Retrospektiv denke ich mir, dass ich einfach hätte verschwinden sollen, die Tür war nicht sehr weit entfernt. Aber ich war noch nicht am Automaten gewesen und dementsprechend angepisst. Gefühle benebeln den Geist, das kennt man ja. Daher hab ich wohl einfach nicht mehr darüber nachgedacht, was ich tue.

Ich schlich näher an ihn heran, was nicht gerade einfach war, da er sich verständlicherweise dauernd nervös umsah. Dennoch galt sein Hauptaugenmerk den Bankangestellten und dem Sicherheitspersonal – einem alten Herrn, der vor Muffensausen nicht mal seine Waffe ziehen konnte. Daher gelang es mir innerhalb einiger Minuten doch, recht nah an ihn heranzutreten. Nun galt es, die Nervosität des Bankräubers auszunutzen und ihn reinzulegen – wozu auch immer das führen würde. Besser als nichts zu tun. Der Zeigefinger meiner linken Hand diente als Pistolenlauf, den ich dem Kerl in den Rücken drückte, während ich mit der rechten Hand meinen Arbeitsausweis mit Lichtbild nur für einen Augenblick vor seine Nase hielt und etwas von Spezialagent laberte. Sowas würde er mir nicht abkaufen, dachte ich und irrte. Ich hatte ihn aus dem Konzept gebracht und nun war er erst recht nervös. Doch seine Reaktion war alles andere als erfreulich: Er drehte sich blitzschnell um, richtete seine wackelnde Knarre auf mich und drückte ab. Das war es, ich war getroffen. Aber der kurze Moment reichte aus, um den alten Sicherheitsmann aus seiner Starre zu lösen. Dieser schoss seinerseits auf den Räuber, wahrscheinlich das erste Mal, dass er auf einen Menschen schoss. Und er traf. Mich. Nicht diesen Kerl. Nichtsdestotrotz wurde der durch den Schuss so erschreckt, dass er zusammenfuhr und seine Waffe fallen ließ. Der Sicherheitsopa hielt ihn in Schach, während die Angestellten die Polizei und den Notruf verständigten. Dann wurde alles schwarz.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, bis ich wieder zu mir kam. Im ersten Moment konnte ich mich nicht einmal daran erinnern, was vorgefallen war, sondern versuchte, die Uhr auf meinem Nachttisch zu lesen. Aber da war keine Uhr. Da war nicht mal ein Nachttisch. Aber ich lag in einem Bett, soviel war sicher. Es dauerte eine Weile, bis die Erinnerung wiederkam und mir klar wurde, dass ich in einem Krankenhaus sein müsste, da ich ja schließlich von zwei Kugeln getroffen worden war. Offenbar hatte ich das überstanden, denn ich lebte ja noch. Ich sah mich um und suchte nach dem Schwesternruf, doch als ich meine Hand danach ausstrecken wollte, wurde wieder alles schwarz.

1. Dezember 20XX, Meteobs Center, Kalifornien, 12 Uhr

„Das lief ja nicht gerade erfolgreich…“, dachte Grey, als er den Konferenzraum verließ. Ein paar Herrschaften folgten ihm, mit hungrigen Bäuchen über das Mittagessen murmelnd. Grey war nicht nach Essen zumute, also begab er sich zurück zu seinem Arbeitsplatz. Als er den Computer einschaltete bemerkte er, dass seine aufgerufenen Daten verschwunden waren. Schnell durchsuchte er den Computer, doch er fand sie nicht mehr wieder.
„Was zum… Wo sind sie?“ Nervös suchte er weiter, anscheinend wurden sie überschrieben. Dann fiel ihm das Dokument in seiner Tasche ein, doch auch dieses war nicht mehr aufzufinden. Hatte er sich alles bloß eingebildet? Dabei hatte er eben gerade noch vollmundig eine Spezialsitzung nach der Mittagspause einberufen. Was sollte er also unternehmen? Ohne die Daten sind seine Worte machtlos. Doch halt… sie müssten noch auf dem Zentralserver liegen und wurden vermutlich lediglich geblockt, um keine Panik auszulösen. Doch die war angebracht – sofern es stimmte.

„Suchen Sie etwas, Mister…?“, meldete sich plötzlich eine Stimme hinter seinem Rücken. Sie gehörte einem kleinen, etwas untersetzten Mann mit Lederjacke und Sonnenbrille. Grey hatte ihn nie zuvor in der Firma gesehen.
„Smith ist mein Name. Und Sie sind…?“
„Das ist nicht weiter von Belang, Mister Smith. Wenn Sie sich allerdings wohler fühlen, dürfen Sie mich Xeviour nennen. In jedem Falle möchte ich Sie bitten, mir unauffällig zu folgen.“
Das war er also, der Moment. Grey wusste zuviel, sie wollten ihn nun zum Schweigen bringen. Wie ein Agententhriller und er selbst war der Held. Diese und ähnliche Gedanken gingen ihm durch den Kopf als er durch den Flur in einen der kleineren Büroräume geführt wurde.
„Nehmen Sie Platz. Möchten Sie einen Kafee? Tee?“, fragte der kleine Herr mit einem etwas künstlich wirkenden Lächeln, das seine Gesichtszüge unheimlich erscheinen ließ.
„Nein danke… Dürfte ich erfahren, warum ich hier bin?“
„Sicher, alles zu seiner Zeit. Zunächst einmal dürfen sie sich entspannt zurück lehnen und sich das hier ansehen.“ Xeviour drückte einen Knopf, woraufhin ein im Raum aufgestellter Projektor einen Film abspielte. Ein amerikanischer Propagandafilm über den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Etwa eine dreiviertel Stunde dauerte das Schauspiel, dann schleifte das Zelluloidendstück am Projektor entlang.
„Ok, warum habe ich mir das jetzt ansehen müssen?“, fragte Grey beiläufig. Doch er bekam keine Antwort. Als er sich umblickte, war der Mann verschwunden. Wann war er abgehauen? War er so gebannt von dem Film, dass Grey es nicht mitbekam? Er erhob sich vom eigentlich recht bequemen Stuhl und ging zur Tür, um festzustellen dass sie abgeschlossen war.
„Hey, ist da jemand?“ Grey klopfte und schrie immer lauter. Draußen liefen Leute an der Milchglastür vorbei, doch keiner schien ihn zu hören.
„Das reicht! Freiheitsberaubung muss ich mir nicht bieten lassen.“ Er nahm den Stuhl und versuchte das Glas einzuschlagen. Doch es tat sich nichts. Panzerglas offenbar. Plötzlich hörte Grey ein unheimliches Geräusch… ein Zischen… er konnte nicht genau ausmachen, woher es kam, doch ihm wurde allmählich schwummrig.
„Gas…!“, war sein letzter Gedanke, bevor ihm die Sinne schwanden.

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2 Kommentare zu „The Endlight – Kapitel 1“

  1. Urgh. tl;dr

    Yeah, Schlafgas! Und jetzt schleppen sie ihn in ihre Geheimbasis, implantieren ihm einen Kontrollchip und er darf fortan für sie arbeiten. Endlich raus aus dem alten, öden Job!

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