Arsène & Sélène – Kapitel 1

„Hm…“, sagte der Mann mit den schwarzen, langen Haaren, während er es sich auf einem grünen, abgewetzten Sofa bequem gemacht hatte und die Kellnerin, die an einen Stuhl gefesselt war ansah, „Was soll ich nur mit dir machen…? Sag du´s mir!“
„Als würden Sie mir eine Wahl lassen… Sie werden mich töten wie alle anderen zuvor.“
„Wie alle anderen?“
„Tun Sie nicht so. Es ging doch durch alle Medien, dass Sie unzählige Menschen kaltblütig umgebracht haben, darunter auch fünf Frauen, die Ihnen als Geisel gedient haben.“
„Sechs…, es waren sechs Frauen. Aber ich hab sie nicht töten wollen, sie ließen mir einfach keine Wahl. Sie hatten mich verarscht, zumindest hatten sie es versucht, doch weit sind sie nicht gekommen.“
„Sie Monster!“
„Monster? Wie gewählt du dich doch ausdrückst, für die vorigen war ich ein Schwein, Bastard oder Hurensohn. Ok, letzteres stimmte ja auch, bis sie vor ein paar Jahren… unsere Welt verließ…“
Die Kellnerin bemerkte, wie seine Hand zitterte, als er diese Worte aussprach.
„Wie dem auch sei: Ich denke, du hast Recht. Ich sollte meine kostbare Zeit nicht länger mit dir verschwenden, ich habe schließlich noch einiges zu erledigen. Also…“ Er stand auf, nahm eine Waffe und hielt sie der Frau an den Kopf. „Hast du noch eine letzte Bitte, bevor ich abdrücke?“
„Warten Sie!“, sagte die Kellnerin, „Ich habe einen Vorschlag: Lassen sie uns Partner werden.“
„Hahaha…“ Der Mann begann laut zu lachen. „Glaubst du, du seist die erste, die mir einen solchen Vorschlag unterbreitet?“
Die Frau schwieg.
„Das hat auch schon Nummer zwei und fünf versucht. In meiner grenzenlosen Güte, bin ich auf das Angebot eingegangen, wenigstens auf Probe. Allerdings haben sie mich maßlos enttäuscht, alle beide versuchten sie zu flüchten, als sie sich unbeobachtet fühlten. Nun ja… was aus ihnen geworden ist, konntest du sicherlich deinen Medien entnehmen…“
Die Kellnerin musste kurz würgen, ließ sich aber nicht einschüchtern: „Aber ich meine es ernst. Sagen Sie was sie von mir wollen, ich mache alles für Sie.“
„Alles, ja? Beweise es mir.“ Er ging einen Schritt auf sie zu, zückte ein Messer und zerschnitt ihr die Fesseln. Danach warf er das Messer mit Schwung gen Boden, sodass es darin stecken blieb. „Dann zeige mir doch mal, was du so drauf hast, aber ich warne dich. Versuch nicht, mich zu verarschen!“
„Wie Sie wünschen.“ Dann stand sie auf und öffnete ihre Bluse, nahm seinen Kopf und presste diesen an ihre Brust. Er ließ es sich gefallen, doch sie wusste, dass sie sich nicht darauf verlassen konnte, dass er unachtsam war, schließlich hatte sie einen skrupellosen Killer vor sich. Er würde es merken, wenn sie nur eine verräterische Bewegung tun würde. „Und nun…“ Sie stieß ihn zurück aufs Sofa, dann kniete sie sich vor ihn und öffnete den Reißverschluss seiner Hose. „…zeige ich Ihnen, wie ernst ich es meine!“
Er ließ seinen Kopf nach hinten fallen und genoss die Show, doch plötzlich spürte er etwas kaltes, Metallisches. Schnell richtete er den Kopf wieder auf und sah, wie sie eine seiner Waffen in seinen geöffneten Hosenschlitz steckte. „Na los, sagen Sie was. Flehen sie um das verdammte Leben Ihres Kleinen und letztlich auch um Ihres. Ich habe gehört, dass man ziemlich schnell verblutet… über diese Stelle…“
„An deiner Stelle würde ich das nicht tun“, sagte er ruhig und zeigte mit seinen Augen nach links. In seiner linken Hand hielt er einen Revolver, der genau auf ihren Kopf gerichtet war. „Also, lass schön die Knarre runter, sonst muss ich dich dazu zwingen. Und wage es nicht, auch nur einmal zu blinzeln.“
Die Kellnerin ließ langsam die Waffe sinken, doch sie musste nur an eines denken: „Er killt mich sowieso, also tu´s!“ Schnell zog sie die Pistole wieder hoch und drückte ab. „Klick.“
„Hm… hahaha…“, der Mann lachte laut und trat sie zur Seite. „Für wie dumm hältst du mich eigentlich?“
Die Frau lag am Boden und zitterte vor Wut.
„Aber ich bin beeindruckt. Was du versuchtest, hat auch schon Nummer eins, drei und sechs versucht, allerdings ist keine so weit gekommen… Sie waren dumm und griffen zu dem Messer, daher musste ich sie augenblicklich liquidieren. Sie kamen nicht einmal auf die Idee nach einer Alternative zu schauen, dazu waren sie viel zu ängstlich, aber du bist anders…“ Er stand auf zog den Reißverschluss hoch und sah ihr tief in die Augen. „Du zitterst… aber nicht aus Angst, sondern aus Wut. Wut über deine eigene Dummheit. Aber wie gesagt: Ich bin beeindruckt…, aber nicht überzeugt. Dennoch gebe ich dir eine Chance… Wenn du wirklich meine Partnerin werden willst, tu dir den Gefallen und nutze sie. Aber wenn du auf dumme Gedanken kommst, wirst du schneller tot sein als du auch nur „Bitte nicht!“ brüllen kannst. Also vergeude sie nicht, hast du mich verstanden?“
Die Frau lag wie gelähmt auf dem Boden.
„Ob du mich verstanden hast!“, brüllte der Mann.
„Ja, habe ich“, gab sie kleinlaut zurück.
„Gut.“ Er half ihr auf. „Wie ist dein Name?“
„Sélène, Sélène Minot.“
„Ok. Und mein Name ist…“
„Ihren Namen kenne ich, Sie sind Arsène de la Croix, der berüchtigte Killer.“
„Schön, dann hätten wir das also geklärt. Aber bitte sieze mich nicht mehr, du willst schließlich mein Partner werden. Nun kommen wir zu deinem ersten Auftrag, der mir zeigt, ob du würdig bist.“
„Was muss ich tun?“, sagte Sélène mit entschlossenem Blick.

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Auftrag 01: Die steinreiche Witwe

„Ok, ich bin am Zielort“, informierte Sélène über ein Funkgerät. Sie stand an der Mauer zu einem großen Anwesen, das Madame Burelle gehörte. Sie war die Alleinerbin des Vermögens, das ihr kürzlich verstorbener Mann, der zu Lebzeiten ein großes Unternehmen durch den Handel mit Diamanten aufbaute, hinterließ. Sie war besessen von Macht und Geld und plante den Gewinn zu maximieren, indem sie die Arbeiter in den Mienen ausbeutete, was genau dem Gegenteil der Geschäftsphilosophie ihres Mannes entsprach. Er prägte den Firmenslogan „Zuerst der Mensch!“ und bekam viel Preis und Lob dafür. Sein Sohn hätte es in diesem Sinne weitergeführt, jedoch verschwand er einige Jahre zuvor spurlos. So wurde seine zweite Frau – seine erste starb an Lungenkrebs – diejenige, die alles erbte. Von ihren Plänen wusste er nichts.
„Also wie besprochen: Dein Ziel ist die Witwe. Töte sie und nehme ihr den Kassim-Diamanten ab, er ist ihr wertvollster Besitz. Erfüllst du deine Aufgabe erfolgreich, hast du mich überzeugt. Versagst du oder versuchst mich zu verarschen, war es deine letzte Tat!“, tönte es aus dem Funkgerät.
„Okay, okay. Ich hab’s kapiert, keine Sorge. Du kriegst deinen Stein.“ Dann schaltete sie das Gerät ab, atmete noch einmal tief durch und begann ihren Auftrag. „Also los!“ Sie setzte eine Karnevalsmaske auf, um sicher zu gehen,  nicht erkannt zu werden, sollte sie trotz ihrer Achtsamkeit von einer Kamera entdeckt werden. Nun ging sie an der Mauer entlang, bis sie an die Stelle kam, die für die Kameras auf dem Anwesen in einem toten Winkel lag, Arsène hatte sie ihr zuvor gezeigt. Dann nahm sie einen Enterhaken aus ihrem kleinen Rucksack, warf ihn über die Mauer und mit einem kräftigen Ruck verhakte er sich zwischen den Backsteinen. Mit aller Kraft zog sie sich über die Mauer – sie hatte auch an eine Zange gedacht, mit der sie den Stacheldraht auf der Mauer durchtrennen konnte – und mit einem beherzten Sprung landete sie sanft im Garten, neben einem Kirschbaum, hinter dem sie sich versteckte und die Umgebung beobachtete. Es war anscheinend niemand zu sehen, trotzdem musste sie vorsichtig sein, schließlich konnten Fallen im Gras versteckt sein. Deshalb überdachte sie jeden Schritt, den sie tat, zweimal, stets die Kameras im Blick, die sich jederzeit in ihre Richtung drehen konnten. Plötzlich hörte sie Stimmen, die näher zu kommen schienen, dabei war sie gerade zwischen den Baumgärten und der Hauswand, es gab nichts, wohinter sie sich verstecken konnte. Was auch immer sie sich einfallen ließ, es musste schnell gehen. Dann sah sie ein offenes Fenster, war es unbewacht? Sélène hatte keine Zeit darüber nachzudenken und ging in dessen Richtung. Plötzlich stieß sie auf etwas und konnte gerade noch ihren Fuß hochziehen, bevor unter ihr eine Bärenfalle zuklappte. Doch scheinbar schien niemand das Geräusch zu hören, denn die sich nähernden Personen sprachen ruhig weiter, doch Sélène konnte noch nichts verstehen, dafür waren sie noch zu weit weg. Sich selbst noch einmal Mut zugesprochen, setzte sie zum Sprint an, immer den Blick über den Boden schweifend und als das Fenster in Reichweite war sprang sie mit einem Satz hinein und rollte sich auf dem Boden ab. Sofort stand sie auf und blickte sich um. Sie befand sich in einem kleinen Zimmer, in dem bis auf einen Flügel und ein paar Büsten nichts herumstand. Und wieder war keiner zu sehen, doch sie traute dem Ganzen nicht. Als die Leute, deren Stimmen sie hörte, draußen vorbeigingen, vernahm sie ein paar Worte: „Madame Burelle muss auf alle Fälle geschützt werden. Es besteht höchste Alarmbereitschaft, darum haben wir die meisten Wachen in den Innenbereich verlagert…“
„Verdammt, sie sind vorbereitet. Klar, der Fall Burelle stand auch groß und fett in der Zeitung, ich bin bestimmt nicht die Einzige, die an den Kassim-Diamanten rankommen will“, dachte sich Sélène im Stillen. „Okay, sie sind also hier drinnen, das heißt, ich sollte vorsichtiger sein.“
Langsam ging sie in Richtung der Flügeltür und wagte einen Blick durch das Schlüsselloch. Auf der anderen Seite war das Foyer, und sie sah einige Wachen im Raum. „Scheiße, das ist eine Sackgasse. Hm…“ Sie blickte sich um. „…der Lüftungsschacht!“
Sie bemerkte nicht, dass sie währenddessen beobachtet wurde. Eine versteckte Kamera im Raum zeigte Madame Burelle jede Bewegung. „Sie scheint nichts zu merken, was für eine lausige Diebin!“, spottete Burelle.
„Möchte Madame den Lüftungsschacht ausräuchern lassen?“, fragte ein anwesender Wachmann.
„Hm… wie eine Ratte in der Falle… ja, warum nicht, ich will sie leiden sehen.“
„Zu Diensten, Madame.“
Der Wachmann begab sich an ein Funkgerät: „An das gesamte Wachpersonal, das sich im Foyer und im darüber liegenden Speisesaal aufhält: Zündet die Rauchbomben in den Lüftungsschächten und verschließt diese danach! Wir haben eine fette Ratte, die wir dann auf ihrem einzigen Fluchtweg – zurück in das Klavierzimmer – abholen werden.“
Sélène ahnte währenddessen nichts von alldem, sie kroch schnell und sicher durch den Schacht, immer ihr Ziel vor Augen. Doch allmählich musste sie feststellen, dass die Sicht immer schlechter wurde und sie kaum noch atmen konnte. „Rauch!“, gab sie entsetzt und hustend von sich, bevor ihr die Sinne schwanden.
Als sie wieder erwachte, befand sie sich in einem Badezimmer, die Hände mit Handschellen an ein Rohr gekettet.
„Sieh an, Dornröschen ist erwacht“, hörte sie jemanden lachend sagen, doch ihre Sicht war noch zu verschwommen, sie konnte nur eine Silhouette der Person wahrnehmen.
„Wer… sind Sie?“ hustete Sélène, die bemerkte, dass ihre Maske fehlte.
„Ich bin General Renié, Oberbefehlshaber der Leibgarde von Madame Burelle. Und wie ist dein Name, diebische Ratte?“
„Das geht sie einen feuchten Dreck an!“
„Hm… ich vermute einfach mal… Sélène Minot… woher ich das weiß? Moment…“ Er zog einen kleinen Brief aus der Tasche. „Ah richtig, hier.“ Nun hielt er ihn Sélène unter die Nase.
„Sehr geehrte Madame Burelle,
Sie sollten vorsichtig sein, ich prüfe an Ihnen einen neuen Partner. Ihr Name ist Sélène Minot und sie wird einen Anschlag auf Sie verüben. Sollte sie Erfolg haben, werden Sie endlich für ihre Machtbesessenheit und Kaltherzigkeit büßen müssen. Wenn nicht, dürfen Sie mit ihr machen, was ihnen beliebt.
Mit bestem Gruß,
Arsène de la Croix.“
„Dieses Schwein!“, dachte Sélène, während sie die Zeilen las, „Er hat mich von Anfang an ins offene Messer laufen lassen.“
„Tja, scheint, als hättest du versagt, was bedeutet, dass wir mit dir machen dürfen, was wir wollen. Ich freue mich schon, ich hatte schon lange kein passendes Opfer mehr, hahaha…“
„Und wie wollen Sie das der Polizei erklären?“
Oh, die Polizei wird davon nichts mitbekommen, du warst nie hier“, erwiderte er mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. „Einen Moment, ich hole noch das passende Werkzeug…“ Dann drehte er sich um und verließ den Raum, nachdem er den Wachen die Order gegeben hatte, sie nicht aus den Augen zu lassen.
Verzweifelt versuchte Sélène sich loszureißen, doch sie sah schnell ein, dass es aussichtslos war. „Was mach ich nur? Sélène, denk nach!“, dachte sie. „Mein Messer…, vielleicht kann ich damit das Schloss knacken. Aber solange die beiden mich beobachten, habe ich keine Chance. Meine Waffen haben sie mir zusammen mit meinem Rucksack abgenommen… hm… Ok, das bedeutet wohl: Vergiss dein Niveau!“ Sie sah den Wachen noch einmal tief in die Augen, dann brach sie zusammen. Sie ließ sich absichtlich so auf den Boden fallen, dass man unter ihren Rock sehen konnte.
„Was ist los mit ihr?“, fragte der eine Wachmann entsetzt und rannte zu ihr hin, der andere folgte. Als sie beide vor ihr standen, sagte der zweite Wachmann: „Hm, wir dürfen mit ihr machen, was wir wollen… das ist doch die Gelegenheit, der General wird erst in zehn Minuten wieder da sein, das sollten wir ausnutzen.“
„Nein, vergiss es, ich mach da nicht mit!“, gab der erste zurück.
„Komm schon, bist du ein Mann oder eine Memme?“
„Ich fasse es nicht. Mach, was du willst, ich gehe!“ Mit diesen Worten verließ der erste den Raum.
„So, nun zu dir, meine Hübsche.“ Der zweite Wachmann beugte sich über sie, nachdem er seine Hose geöffnet hatte. Sélène nutzte die Gelegenheit, sie umklammerte mit ihren Beinen den Kopf des Wachmanns und brach ihm mit einem Ruck das Genick. Ein leises, aber markerschütterndes Knacken war zu hören, bevor der Wachmann tot zu Boden sank.
„Das geschieht dir Recht, du perverses Schwein!“, spottete sie und spuckte auf die Leiche. Dann zog sie ihren Fuß zurück, sodass sie mit ihren Händen in ihre Stiefel greifen konnte und in kürzester Zeit schaffte sie es, mit dem kleinen Messer das Schloss der Handschellen zu knacken.
„Was nun, Sélène?“, sagte sie sich. „Ich kann nicht einfach zur Tür raus spazieren, da draußen wimmelt es von Wachen. Hm…“ Sie sah sich im Raum um bis sie sich sicher war, dass sich darin keine Kamera befand, dabei fiel ihr das Fenster ins Auge. „Ok, wenn ich über den Innenweg keine Chance hab, dann komme ich eben von draußen!“ Sie griff sich den Taser des Wachmanns und kletterte hinaus. Langsam aber sicher tastete sie sich an der Fassade entlang, bis sie Stimmen hörte. Sie befand sich nun genau unter dem Schlafzimmer der Witwe und konnte durch das geöffnete Oberlicht jedes Wort hören. Die Witwe sprach mit dem General.
„Wie soll ich vorgehen, Madame?“
„Es ist mir gleich, aber quetschen Sie aus ihr raus, wo sich Arsène de la Croix befindet! Erst wenn ich seine Leiche mit eigenen Augen gesehen habe, werde ich wieder ruhig schlafen können.“
„Wie Sie wünschen.“ Der General entfernte sich und ließ die Tür des Raumes zuknallen. Als Sélène sich sicher war, dass sich nur noch Madame Burelle in dem Raum befand kletterte sie hoch zum Fenster und trat es ein. Die Witwe war in ihrer Überraschung erstarrt als Sélène plötzlich vor ihr stand. Ein Moment der Stille trat ein, während sich die beiden anstarrten. Die Witwe Burelle wagte es als erstes, die Stille zu zerreißen: „Ich bin beeindruckt, dass Sie es bis hierher geschafft haben, aber was nun? Wollen Sie mich mit diesem lächerlichen Ding bedrohen?“
„Bei älteren Leuten, kann ein Taser durchaus tödlich wirken, wussten Sie das?“ gab Sélène selbstbewusst zurück.
„Hahaha… Dazu wird es nicht kommen, ich muss nur einen Knopf drücken und es wird hier von Wachpersonal wimmeln.“ Zielsicher begab sich die Witwe zu einem Schalter an der Wand. „Passen Sie auf, es ist ganz leicht.“ Sie wollte gerade den Knopf eindrücken, doch plötzlich fand sie ihre Hand, durchbohrt von einem Messer an der Wand wieder. Sie gab keinen Laut von sich. Erst als sie sah, wie Blut am Messer entlang auf den Boden tropfte, schrie sie vor Entsetzen auf. Schnell zog sie das Messer raus und schleuderte es Sélène entgegen, doch diese konnte mit einem kleinen Schritt zur Seite ausweichen. Nun rannte sie auf Madame Burelle zu und schockte sie mit dem Taser, bis sie bewusstlos zusammen brach. Doch es war zu spät: Der Knopf war gedrückt, der Alarm gellte laut. Schnell verschloss Sélène die Tür und schob die in der Nähe befindliche Kommode davor. Lange würde das nicht halten, aber doch lange genug, damit sie den Diamanten einstecken und abhauen könnte. Nun wandte sie sich der Witwe zu, riss ihr die Kette, an der der Kassim-Diamant hing, vom Hals und steckte sie in ihre Rocktasche. Nun musste sie die Witwe nur noch umbringen, sie beugte sich über sie und nahm das Messer. An der Tür pochte es laut, aber Sélène lies sich Zeit, sie hielt der Witwe das Messer an die Kehle, ein Schnitt und es wäre vorbei, aber sie konnte es nicht.
Die Tür sprang auf und die Wachmänner drangen ein, doch Sélène war bereits verschwunden. Die Witwe erwachte auf dem Boden und stellte fest, dass ihr Diamant verschwunden war…

„Ich bin enttäuscht von dir, Sélène“, sagte Arsène, während er die Nachrichten im Fernsehen verfolgte, in dem vom gescheiterten Attentat die Rede war. „Ihre Kette wurde gestohlen… das war alles? Du hast sie nicht umgebracht und dann auch noch eine Imitation mitgebracht, die sie immer mit sich herumtrug. Der richtige Stein ist im Tresor!“
Sélène schwieg. Sie wagte nicht einmal einen Blick in Arsènes Gesicht. Nach einer Weile sagte sie nur: „Ich werde nun duschen gehen…“
„Jaja, geh schon!“ Als Arsène das Duschwasser laufen hörte, nahm er einen Revolver und lief ins Badezimmer.
„Es tut mir Leid Sélène, aber du hast versagt“, war der letzte Satz, den er von sich gab, bevor er mehrere Schüsse auf den Schatten hinter dem Duschvorhang losließ.
„Ja, mir tut es auch Leid“, sagte eine vertraute Stimme hinter Arsène. Es war Sélène, die ihm eine Pistole an den Kopf hielt. „Du hast mich verarscht, du hattest ihnen eine Warnung geschickt! Warum!?“
„Sélène, nimm die Knarre runter und hör mir zu.“
„Nein, du hörst mir zu! Ich musste viel durchmachen da drinnen. Du wolltest von vornherein keinen Partner, sondern mich einfach nur quälen!“
„Sorry, ich bin eben Einzelgänger.“
„Was hättest du gemacht, wenn ich Erfolg gehabt hätte?“
„Ich weiß es nicht, ich hatte eh nicht damit gerechnet.“
„So ist das also… Geh ins Wohnzimmer vor die Glotze und halte die Klappe, kapiert?“
Arsène wusste nicht, was das sollte, sie hätte ihn längst erschießen können. Warum tat sie es nicht? Es war ihm aber im Moment egal, er folgte mit einer Waffe im Nacken ihren Anweisungen. Im Fernsehen lief noch immer die Nachrichtensendung mit dem Spezialbericht von der Villa Burelle.
„So und jetzt pass auf!“, diktierte Sélène.
Plötzlich gab es einen gewaltigen Knall und eine Erschütterung des Fernsehbildes, auf dem nur noch eine gigantische Staubwolke zu sehen war.
„Was ist passiert?“, fragte Arsène unsicher.
„Das, was du von mir wolltest: Ich habe meinen Auftrag erfüllt“, sagte Sélène süffisant.
„Aber wie…?“
„Als ich flüchtete, fiel mir ein, dass das Haus voller Sprengstoff war, die Wände waren voll davon. Ich habe hinter dem Rohr, an das ich gekettet war, eine kaputte Kachel bemerkt und hinter ihr sah ich Plastiksprengstoff. Ich konnte es an den Wänden fühlen, der Eigentümer des Hauses muss es dort zu einem bestimmten Zweck platziert haben.“
„Er wollte wohl, dass jemand kommen würde und seine Frau umbringt, sollte er vor ihr sterben.“
„Jedenfalls war es ganz einfach: Ich kehrte zurück zum Haus, im Gepäck hatte ich mehrere Zeitbomben.“
„Moment, wo hattest du die her?“
„Das spielt doch keine Rolle, oder?“
„Nein, wahrscheinlich nicht…“
„Also: Ich platzierte sie versteckt in verschiedenen Räumen im unteren Stockwerk. Es war einfach, das Wachpersonal war geschlossen nach oben gegangen, um die Witwe zu beschützen, sie ahnten gar nichts.“
„Sélène, ich bin beeindruckt. Aber leider ist der Diamant wohl futsch.“
„Meinst du? Dann pass mal auf.“ Sie nahm den Stein vom Tisch und schmiss ihn mit voller Wucht auf den harten Steinboden, der daraufhin eine Kerbe bekam. „Ich hatte noch einen kleinen Abstecher in den Tresorraum gemacht.“
„Ich bin mehr als beeindruckt, ich bin überzeugt. Lass uns Partner sein – nimm die Waffe runter.“
„Meinst du, nach all dem, was ich durchgemacht habe, will ich das noch? Ich könnte dich erschießen, mir den Diamanten schnappen und gehen.“
„Das willst du nicht, ich sehe es in deinen Augen.“
Sélène sagte nichts. Stattdessen nahm sie langsam die Waffe runter. „Ich gehe duschen, kann ich darauf vertrauen lebend wieder rauszukommen oder muss ich wieder ’ne Puppe reinstellen?“ Mit diesen Worten verschwand sie im Badezimmer.
Arsène war sprachlos, aber fasziniert.

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6 Kommentare zu “Arsène & Sélène – Kapitel 1”

  1. >>„Hm…“, seufzte der Mann mit den langen schwarzen Haaren, während er es sich auf einem abgewetzten grünen Sofa bequem gemacht hatte und die an einen Stuhl gefesselte Kellnerin ansah…<>Das haben auch schon Nummer zwei und fünf versucht.<< Auch wenn das Subjekt eine Sammlung einzelner Singulare ist, steht Plural.

    Ansonsten… tl;dr, Sorry.

  2. Spannende Geschichte,freue mich auf das nächste Kapitel. 🙂
    Sélène hat mich ganz schön überrascht.
    Anfangs dachte ich,sie sei eine einfache Kellnerin.
    Mein Feedback als Leser hast du,Iki. 😉

  3. Ha, gefunden. Erst gucken, dann fragen. Sorry …
    Sehr spannend 🙂 Mir gefällt Dein Stil, auch wenn ich gerne ein bißchen mehr in Arsenes Kopf blicken würde. Ich mag Charaktere wie ihn (jedenfalls in Büchern und Filmen). Nun, dass ich nicht mehr Einblick erhalte, macht ihn dafür würde so geheimnisvoll … hmmm …
    Ich weiß nicht was ich will ^^

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